Dienstag, der 13.

Was geht uns Freitag der 13. an?

Diese Woche ist es mal wieder so weit: Der 13. eines Monats fällt ausgerechnet auf den Freitag!  Zeigt mir d e n Erdenbewohner, der nicht ein klitzekleines bisschen abergläubisch wäre! Oder warum vermeiden immer noch renommierteste Hotels - ob legal oder illegal errichtet -  die Zimmer-Nummer 13 ? Wobei logischerweise man dann ja nicht die Nr. 14 buchen dürfte, die ja eigentlich die 13 wäre, wenn man einen Schritt weiter denkt ... na ja.

Sind wir nicht alle ein bisschen abergläubisch?

 

Als ich in unserer Finca-Kaffeepause erwähnte, dass wir uns vor diesem Freitag hüten müssten, also sicherheitshalber kein Gartengerät als Stolperfalle herumstehen lassen sowie möglichst nicht auf die eine wacklige Leiter steigen oder hinter den Pferden herumgehen sollten, klärte mich Gärtner Miguel auf: „Wieso Freitag, der 13.? Das ist überhaupt kein Unglückstag bei uns, wir sind hier in Spanien, da ist der Dienstag der 13. der Tag, vor dem man sich in acht nehmen muss. El trece de martes, ni te cases ni te embarques”.  Aha, wieder eine Volksweisheit gelernt von unserem einheimischen Arbeiter: „An einem Dienstag, dem dreizehnten, heirate nicht und schiffe dich nicht ein.“ Miguel doziert weiter, dass besonders die Fischer das beachten würden, die führen an einem solchen Tag nicht hinaus aufs Meer, weshalb es am Mittwoch darauf dann keinen frischen Fisch geben würde! Ich glaube ihm aufs Wort, da  ist er nämlich eine Fachautorität, schließlich ist sein Vater Fischhändler in Málaga.

 

Aber woher kommt der Unterschied,  den  Dienstag, nicht den Freitag zum Unglückstag zu erklären? „Martes“, der Dienstag ist der Tag des Kriegsgottes Mars und „Viernes“, der Freitag, leitet sich von der Liebesgöttin Venus ab und ist schon aus diesem Grund ganz und gar als Pechtag ungeeignet! Da sieht’s man mal wieder- Frauen bringen das Glück und  Macho-Krieger Unglück!!

Und deshalb führen viele Fischer an der Costa del Sol, so führt Miguel weiter aus, nicht nur an einem Dienstag, der auf einen 13. des Monats fällt,  nicht aus, sondern sicherheitshalber gleich überhaupt nicht an einem Dienstag.  Was folgert man daraus: Keinen Fisch am Mittwoch kaufen oder lieber erst wieder am Donnerstag im Restaurant frischen Fisch essen!

Und noch etwas praktiziere ich hier als positiv Denkende: Der Freitag, der 13.  kann mir gar nichts anhaben, schließlich leben wir hier in Spanien, da gilt der Dienstag, der 13.! Fällt aber hier der 13. mal auf einen Dienstag, dann fällt mir sofort ein, dass ich doch die deutsche Staatsbürgrschaft besitze  und folgerichtig der Freitag der 13. für mich zuständig wäre. So kann man hier als Resident dem Unglück immer flexibel aus dem Wege gehen, nicht wahr?!


6. Januar

Los Reayes Magos - die Heiligen Drei Könige

Auch wenn Spanien nicht mehr streng katholisch ist  - ihre entsprechenden Feiertag lassen sie sich nicht nehmen! So spielt der 6. Januar, das Fest der Hl. 3 König Kaspar, Melchior und Balthasar, nach wie vor eine ganz große Rolle im spanischen Festtagskalender: Es ist der traditionell eigentliche Geschenketag zu den Weihnachtsfesttagen.

 

An diesem Tag wird ein traditioneller Hefekuchen in Ringform mit versteckten Figürchen darin serviert.

Am Vorabend, dem 5. Januar, gibt es überall Umzüge  - Cabalgates genannt - mit den Darstellern der Weisen aus dem Morgenland, die eher den Rosenmontagszügen ähneln, denn auch hier werden tonnenweise Bonbons unter die Leute gestreut.

 

Das Foto des Ayuntamiento  zeigt einen Umzug in Estepona


14. Februar

Valentinstag in Spanien - Konsummasche oder Liebeszauber?

Spanien feiert groß den Valentinstag, obwohl als Marketingidee aus den USA kommend, und die Spanier nicht unbedingt große Amerika-Freunde sind. Nach einer aktuellen Umfrage (Quelle: der Psychotherapeut und vielfache Buchautor Dr. Wolfgang Krüger) sehen 78 Prozent der Bevölkerung den Valentinstag als eine Erfindung der Konsumindustrie an.

Den alten Zauber wieder beleben

Dennoch aber hält Dr. Krüger diesen Tag für sinnvoll, um vielleicht im Alltag abgestumpfte Gefühle wieder zu beleben. So kann der 14. Februar zu einer wichtigen "Kraftquelle" werden. Abgesehen davon, dass die Gastronomie, die Blumen- und Süßwarenläden sowie Parfümerien das sehr positiv sehen.

Da der Spanier als Nachfahre des Don Juan gern seinen Charme aus- und Kavalier spielt, weiß er auch bei Geldmangel, wie er seine Angebetete becirct:  Und wenn er an diesem Tag bloß am Wegesrand eine rote Rose für seine Partnerin pflückt! Blüht und grünt es ja in Spanien jetzt allerorten.  Aber Vorsicht beim "Blumenklau" in den offiziellen Kreisverkehrsinseln: Das sehen die Gemeinden und die Policia Local nicht so gerne!

Berücksichtigen auch wir und Sie, liebe Leser, am Valentinstag die vier Geheimnisse der Verliebtheit nach Paartherapeut Dr. Wolfgang Krüger, dann kann nichts schief gehen:

  • Selbständigkeit
  • Respekt
  • Bewunderung
  • Umarmung

Karneval oder Carnaval

In Ländern mit katholischen Wurzeln wird Karneval gefeiert, oder Carnaval, wie es heißt.
Spanien ist auch da ein bisschen anders. Das erfahren wir immer wieder.  So wird hier einfach ignoriert,  dass am festgesetzten Aschermittwoch „alles vorbei“ sein soll. Also sieht man den Karneval in Andalusien ganz flexibel: Um sich terminlich mit den großen Veranstaltungen und Umzügen nicht  ins Gehege zu kommen, wird der Fasching oft um zwei Wochen nach hinten ausgedehnt, so dass man schön abwechselnd in den Genuss der verschienenen Städte-Highlights kommt!

 

Der Karneval in Cádiz

Berühmt ist der Karneval in Cádiz, der eine Besonderheit aufweist. Der Karneval in Köln bedeutet schunkeln, der in Rio de Janeiro Samba, der von Venedig bombastische Maskenflaneure, und wollte man den von Cádiz mit einem Wort bezeichnen, dann sind das freche Singverse. Mit letzteren nehmen verschiedene Gruppen, die, natürlich maskiert, mit Spottliedern und frechen Versen durch die Straßen ziehen, die aktuellen Probleme aufs Korn.
Tausende von Einheimischen ergötzen sich an den Kabaretteinlagen, am Gitarrenspiel und an kostenlos ausgeschenktem Wein und Bier der Gemeinde. Gegessen werden dazu belegte Brötchen, aber auch gerne Austern und eingelegte Paprika.
Über Internet kann man abstimmen, welche Gruppe mit ihren Knittelversen einem am besten gefällt. Denn am Ende des Karnevals in Cádiz werden die besten drei Formationen ausgezeichnet. Wer als Besucher dorthin kommt, der sollte gut Spanisch verstehen, sonst eröffnet sich ihm der Witz dieser Besonderheiten nicht. Aber dennoch ist das Treiben von der Stimmung her ansteckend und Cádiz an der Costa de la Luz sowieso immer einen Besuch wert!

 

Foto: Doris von Kornatzki


19. März

Der spanische Vatertag, Ostern und die Ostereier

Eigentlich brachte mich die Frage einer deutschen E-mail-Freundin erst so richtig zum Nachdenken, die da schrieb: „Wer bringt in Spanien die Eier? Auch der Hase?“ Und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: So richtig Ostern feiern kennen die Spanier gar nicht! Da ist nur immer die Rede von der Semana Santa mit ihren zwar beeindruckenden, aber irgendwie unheimlichen Prozessionen mit den Kuklux-Klan-Mützen, den dumpfen Trommelwirbeln und den Klagegesängen. Hand aufs Herz: Das haben wir uns zwar alle einmal angesehen, uns vier Stunden an den Straßenrand gestellt, Gänsehaut produziert nicht nur aufgrund des Schauspiels, sondern weil wir uns auch den Hintern abgefroren haben, aber danach ziehen wir das Miterleben am Fernsehschirm vor und schicken nur noch den Besuch aus Deutschland auf die Straße mit Kamera. Nicht, ohne vor den Taschendieben zu warnen. Ist es nicht so?

 

Und dabei fällt mir auf: Den Wunsch „Frohe Ostern“ kennt der Spanier gar nicht! Ja, wo sind wir denn, in einem Land, in dem sonst alles rauf und runter gefeiert wird, in dem man sich zugute hält, immer fröhlich und guter Laune zu sein, besonders in Andalusien! „Buena semana santa“- Buena Pascua“- wenn Du das sagst, dann schaut Dich jeder an wie ein Schwalberl.  Wenn doch sogar wir sonst als schwermütig verschrieenen Deutsche fröhliche gelb-grüne Bänder und Eier in die Bäume hängen und mit so was wie Übermut den Frühling begrüßen, die Italiener ebenfalls das „Buona Pasqua“ kennen, einem dort überall „Auguri“ (Glückwunsch) ins Ohr schallt und gleich alles mit den Super-Schoki-Eiern übertreffen. Glücklicherweise sorgen deutsche Supermarktketten für unsere Versorgung hier nicht nur mit diesen Riesen-Symbolen aus Italien, sondern mit all den beliebten Schokolade- und Marzipan-Osterhasen und –Eiern.

 

Spanischer Vatertag am Josefitag

Eier sind ja das Symbol der Fruchtbarkeit schlechthin - und wo bleiben da die Macho-Spanier? Die ja auch oft mit bezeichnender Geste von „huevos“ sprechen; sowie der in die Bayern-München-Vereinsgeschichte eingegangene Ruf von Torwart Oli Kahn, der selbige bei seinen Mannschaftskameraden vermisste.  Was ist los mit unseren Einheimischen an Ostern? Frühjahrs-müdigkeit?

Dabei gibt mir allerdings auch zu denken, dass gerade  nur eine Woche vor Ostern der spanische Vatertag gefeiert wird - ausgerechnet am Gedenktag des Heiligen Josefs, Marias Gatten und nur Adoptivvater des Sohnes Jesus. Bei uns gilt ja eine „Josefsehe“ als eine, bei der e r  nicht so richtig ran darf...Kann mir mal ein echter Spanier all diese für einen Don-Juan-Nachfahren abträgliche Symbolik erklären?


Semana Santa

Die Semana Santa beginnt immer  mit dem "Domingo de Ramos", dem Palmsonntag: links im Bild die Prozession von Manilva). In dieser Karwoche finden eden Tag irgendwo und in großen Städten wirklich täglich die feierlichen stundenlangen Karwoche-Prozessionen statt, die viele Schaulustige am Straßenrand säumen. Da werden - meist von Männern, aber die Gleichberechtigung hält auch hier Einzug - Heiligenfiguren und die Kreuzwegdarstellungen auf schweren Podesten durch die Straßen getragen. Es gilt als große Ehre,  wenn man diese schwere Trage-Arbeit verrichten darf. Begleitet werden die Umzüge von dumpfen Trommel-schlägen und den berühmten "coplas", den flamencoähnlichen Trauergesängen.

 Ein Geheimtipp an der Costa del Sol, wenn man die Massenaufläufe der Großstädte meiden will, ist die große Karfreitagsprozession von San Roque mit 14 Kreuzwegsdarstellungen, das heißt, so ein geheimer Tipp ist sie gar nicht mehr, nachdem sie zum nationalen touristischen Interesse von Andalusien erklärt wurde. Ostern selbst wird dann kaum groß gefeiert. Siehe dazu auch den obigen Beitrag.


31. Oktober

Halloween in Spanien?

Allein mein Fragezeichen zeigt schon an, dass ich persönlich kein Fan von Halloween bin. Auch wenn böse Zungen behaupten, ich wär` eine Hexe (natürlich eine gute!)  Ich mag auch keine Horrorfilme. Diese und die Gruselnacht vom letzten Oktober zum 1. November, in der sich alle  häßlich verkleiden - nichts sonst gegen Kostümierung und Maskeraden! - , beleidigt meinen Sinn für Ästhetik.

Ich wundere mich vor allem über den Hype in Spanien darüber, der eigentlich vor circa zehn Jahren noch kaum eine Rolle spielte. Ist es doch eine amerikanische Marketingmasche wie so viele vom Muttertag bis zum Coca-Cola-Santa-Claus.  Apropos letzterer:  Auch hier nimmt der Papa Noel immer mehr überhand!

Ich versteh´ die Spanier nicht! Sind sie doch nicht gerade ausgewiesene USA-Fans ebenso wenig wie im Moment der größte Teil der Restwelt.  Nehmen wir mal Papa Noel und Santa Claus, der auch in Deutschland immer mehr das eigentlich ursprüngliche, liebliche Christkind verdrängt.

 

Viel schöner ist die Noche de las castañas

Und Halloween? Da haben sie doch eigentlich den viel schöneren und fröhlicheren Brauch des Kastanienfestes:  Man trifft sich in dieser Nacht in den Kastanienhainen mit Familie, Freunden und dem ganzen Dorf und brät am Lagerfeuer die Esskastanien, begleitet meist von frisch gekeltertem Wein. Musik und Gesang gehören natürlich dazu. Wenn sich der Herbst nicht gerade zu einem seiner mediterranen Regenschauer entschließt, bevorzuge ich eindeutig letztere Tradition!


Dezember

Advent und Weihnachten

Oben links: Die fantastische Weihnachtsbeleuchtung von Málaga, über die Provinz hinaus berühmt! Rechts die typischen Polverones, das Weihnachtsgebäck Spaniens, Besonderheit: sie werden aufwändig einzeln verpackt.  Berühmt und gut sind außerdem noch das den Mauren zu verdankende Marzipan und Torrone, ein klebrig-süßes Naschwerk mit Mandeln oder auch Haselnüssen, ein echter "Plombenzieher".

 

Was unser deutsches romantisches Weihnachten angeht, so kann Spanien nicht mithalten mit seiner Mischung aus Karneval und Feria, quäkenden Weihnachtsmännern und bunt blinkenden Lichtergirlanden! Von wegen Besinnlichkeit oder gar "Stille Nacht"!  Unter uns:  Das typische Weihnachtsgbäck, die Polverones   - wie der Name lautmalerisch verrät, strohtrockene, pulverige Kekse - können auch nicht mithalten mit unseren gewohnten Zimtsternen, Vanille-Kipferln und Lebkuchen. Kein Wunder, dass bei all dem viele der Residenten gerade an Weihnachten das Heimweh packt und die Flieger voll sind gen Norden.

 

Blinkende  Plastikbäume und Dezember-Auszeit


Aufgrund fehlender Wälder sind Weihnachtsbäume vor allem aus Plastik, Adventskränze kennt man auch erst seit einigen Jahren durch die Ausländer. Dafür aber nehmen sich die Spanier eine Woche Auszeit,  mindestens aber die Tage vom 6. bis 8. Dezember, denn da liegen zwei gewaltige offizielle Feiertage an diesen Daten:
Am 6. Dezember, dem Dia de la Constitución", wird die moderne Verfassung von 1978 gefeiert, sie gilt als eine der besten in Europa. Am 8. Dezember ist Maria unbefleckte Empfängnis. Die zwei Feiertage liegen meist so günstig, dass sich gleich eine ganze freie Woche ergibt. Und das mitten im Vorweihnachts-stress - aber genau das genießen die Spanier, die dann in Ruhe ihre Weihnachtsgeschenke einkaufen können.
Diese  Woche kann man hier total vergessen, da geht in ganz Spanien nichts! Die zwei Feiertage liegen meist auch noch so günstig, dass sich gleich eine ganze freie Woche ergibt.

 

Dafür kennen sie zu Weihnachten, zu Ostern und Pfingsten keine zweiten Feiertage. Und traditionell und auch irgendwie logischer nach der Bibelgeschichte gibt es erst am 6. Januar Geschenke, am Tag der Heiligen Drei Könige, die ja mit Geschenken zum Jesuskind kamen. Auch da aber haben die Ausländer diese Tradition verwässert, denn wenn die spanischen Kinder sehen, dass die englischen und deutschen Kids schon Heiligabend, in der Noche Buena, Geschenke auspacken können, ergibt sich da ein Quengelpotential. Ergo: spanische Kinder werden nun oft zweimal beschenkt: am 24. Dezember und am 6. Januar!

Gabriele Hefele

 

Ausführliche Artikel dazu finden Sie auch auf Pagewizz, etwa hier https://pagewizz.com/weihnachten-in-spanien-die-auszeit-im-advent/ oder hier  https://pagewizz.com/weihnachten-in-spanien-traditionelles-weihnachtsgebaeck/