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Mit dem Zug nach Spanien

Über Austerlitz nach Barcelona

Von München, Frankfurt, Stuttgart und Köln aus gibt es bei der Bahn „Frankreich- Spezial“-Tarife mit dem die etwa sechsstündige Zugfahrt von München in die französische Hauptstadt  statt weit über hundert nur ganze 39, höchstens 49 Euro kostet. Da ist fast weniger als die reguläre Fahrt nach Stuttgart. Dabei wusste ich: Von Paris fährt allnächtlich ein Schlafwagenzug der spanischen RENFE nach Barcelona, ein so genannterTalgo mit dem schönen Namen Pablo Casals, das war einer von jenen, die am Ende des spanischen Bürgerkrieges vor Franco nach Frankreichflüchteten.

Dieser Talgo rast übrigens quer durch Frankreich ohne Halt zur Grenzstation Port Bou. Jetzt aber kam erst einmal Strasbourg in Sicht, wo ich an unser Universalgenie Johann Wolfgang von Goethe denken musste. War der spätere Geheimrat nicht von hier aus hin und wieder zu seiner damaligen Geliebten geritten anstatt Jura zu studieren? Bei der rasanten Weiterfahrt durch die Champagne fallen mir auch  eine ganze Menge Assoziationen speziell zu Paris ein. Etwa die unvergessene Edith Piaf mit ihrer „Moral ist, wenn man so lebt, dass es gar keinen Spaß macht, so zu leben!“

Paris, Paris!

Pünktlich 16 Uhr 34 rollt der ungemütlich enge, aber schnelle TGV in Paris d´Est ein, etwa sechs Stunden hat die Fahrt von München gedauert, davon über drei Stunden auf deutschem Gebiet mit Halt an jedem „dicken Baum“ (Augsburg, Ulm etcetera) und nur gut zwei Stunden nonstop von Strasbourg nach Paris. Und jetzt ist man also da, in der Stadt der Städte, und schon fühlt man sich irgendwie interessanter, bedeutender jedenfalls, als wenn man in Wanne-Eickel ausgestiegen wäre. Obwohl, auch das berühmte Paris entpuppt sich als Großstadt wie jede andere mit hastenden Menschen, Unmengen von Autos und kaum erträglichem Krach! Doch auf dem riesigen Halbrund vor der Gare de l´Est gibt es eine Fülle von Bistrots, Bars und Brasserien! Ein Bahnhofs-Vorplatz mit dem weder Frankfurt am Main oder Köln schon gar nicht konkurrieren können. Die Austern, die ich nun endlich bestellen kann, sind frischer als je zuvor und machen Appetit auf Meer.

Aber zurück nach Paris. Die Station, in der dieser gedrungene Schlafwagenzug in einer etwas bedrückenden, gusseisernen Halle am Bahnsteig steht, heißt „Gare d´Austerlitz“. Wie, denkt man als überzeugter Zivilist, kommt ein Bahnhof zu einem so kriegerischen Namen? Eine Überlegung, die einem schon unterwegs bei der Metrostation „Stalingrad“ beschäftigt hatte. Auf also gen Austerlitz! Der Zug, der spanische, steht schon bereit mit iberischem Personal, das einen zur Kabine geleitet. Am Bett ist eine kleine Leselampe angebracht  - es macht irgendwie einen appetitlicheren Eindruck als in den Nachtzügen der Deutschen Bahn -  dazu mit kleinen liebevollen Einschlüssen“ wie Einmal-Zahncreme samt Bürste, Feile und Kamm im Waschregal, dazu zwei Flaschen Mineralwasser. Vor allem aber eine absolut dichte Jalousie am Fenster, die den kleinsten Schimmer eines den Schlaf störenden Lichtes  abhalten wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach langer erlebnisreicher Zugfahrt:

 

endlich am Mittelmeer

Spanische Küche

Das Schönste aber ist ein Speisewagen in der Mitte des Zuges mit spanischer Gastronomie zu soliden Preisen, der fast so lange „abierto“ ist wie die Restaurants im Zielgebiet. Hier kann man noch elf Uhr nachts ein Solomillo bestellen und auch um Mitternacht noch ein San Miquel- oder Cruzcampo-Bier trinken.

Nun rauscht der Talgo auf neuer Trasse fast geräuschlos dahin. Als ich aufwache und angestrengt in die Nacht hinaus blicke, kann ich in einer Lichtorgie das Schild LIMOGES entdecken. Später beim Googeln sehe ich, dass die einen ganz verrückten Bahnhof haben, den „Gare de Benedictins“. Kurz nach Narbonne wache ich endgültig auf, denn jetzt, im ersten Morgenlicht, beginnt der erregendste Abschnitt dieser Reise - die Annäherung ans Meer.

Bedauert man am Bahnsteig von Perpignan noch die hier wartenden Tramper, so fährt der Zug schon kurz darauf in Cerbere ein, der Endstation in Frankreich. Hier wird er nun Wagen für Wagen durch einen Tunnel geschoben und auf die breitere spanische Spur umgestellt. Aber das ist nicht das Erregende, sondern der erste Blick über Port Bou aufs Meer, das sich in früher Bläue allmählich aus der Dunkelheit der Nacht hervorhebt. Diese Grenzstation spielte eine tragische Rolle für viele Deutsche im Zweiten Weltkrieg, die der Hitler-Diktatur über Spanien und Portugal nach Amerika zu entkommen versuchten. Walter Benjamin nahm sich hier das Leben, weil er keine Hoffnung mehr hatte für eine glückliche Flucht. Ein Denkmal für ihn steht direkt am Meer...

Mensch, Mittelmeer! Dich zu sehen, lohnt sich jede Fahrt—und sei es über Stalingrad und Austerlitz  - Hauptsache, mit einem spanischen Speisewagen!

Jürgen Brauerhoch


Wichtige Jubiläen

In den Januar 2016 fiel der 400. Todestag des großen spanischen Dichters Miguel de Cervantes. Sein Werk "Don Quijote de la Mancha" ist die Nummer 1 der Weltliteratur. Das ergab eine Umfrage unter internationelen Feuilletonredakteuren. So verwies er Goethe und hakespeare, dessen 400. Todestag ebenfalls zeitnah begangen wird,  auf die Plätze hinter sich.

Im Bild links ihm zu Ehren eine der 20 bekannten Wandmalereien von Estepona, in der Nähe des Hafens.

(Foto: Prensa Ayto Estepona)

 

Der Osborne-Stier

Der Osborne-Stier  ist als Skulptur über ganz Spanien verteilt. Er wiegt vier Tonnen, ist 12 bis 14 Meter hoch, hat eine Fläche von circa 150 Quadratmetern und ist meist auf Hügeln von den Straßen her gut zu sehen. Auch als Kachelbild  (hier von Sigrid Goldbach) sehr beliebt. Er steht als Symbol für Spanien und nicht  so sehr für den Stierkampf, wie oft fälschlich inerpretiert.  (Fotos: Osborne, Gabriele Hefele)

 

Nicht zu ignorieren und wegzudenken aus der Landschaft ist meist dieses Standbild, das ursprünglich bereits 1956 vom Designer Manolo Prieto von der Sherry-Firma Osborne für ihre Marke „Veterano“ kreiert wurde.

Das Werbebild hat in seinem 60jährigen Jubiläum eine bewegte Geschichte hinter sich. 1988 wurde diese auffällige Reklame über den großen Verbindungsstraßen zunächst verboten, doch 1997 nach vielfältigem Protest als Kulturgut und typisches Symbol für Spanien wieder rehabilitiert. Allerdings fehlt nun jeglicher Werbeschriftzug einer Marke. Das ist aber auch nicht vonnöten. Jeder, der hier lebt, weiß, welche Sherryfirma gemeint ist.

90 dieser Toros gibt es noch über ganz Spanien verteilt. Über ganz Spanien? Nein, denn in Katalonien gibt es keinen einzigen mehr, dort wurden gewaltsam diese Werbebilder von dem widerspenstigen Völkchen umgestürzt und entfernt, da man es mit dem Stierkampf gleichsetzte, der dort nun auch verboten ist.

Allerdings ist es ungerecht, den „toro negro“ von vornherein mit dem Stierkampf gleichzusetzen. Er gehört zu den Weiden Andalusiens wie das Spanische Pferd auch, mit dem er oft friedlich zusammenlebt auf der Wiese. Und klar, er steht für den Mythos des Männlichen, für Kraft und auch für dumpfe Gewalt. Aber kann er nicht auch als Sinnbild für Europa dienen? Bekanntermaßen ist die Gründung unseres Erdteils laut einer Legende auf einen Ritt der gleichnamigen Griechin auf einem Stier zurückzuführen.

Gabriele Hefele


                        ¡Viva España! ¡Viva Alemania!

Oben:  Konsul Peter Eck (3. von links) und Gattin (3. von rechts) und Konsulatsange-stellte empfangen die Gäste im herrlichen Ambiente des Botanischen Gartens von Málaga.

Oben: Lauschende Gäste im Botanischen Garten. Ganz rechts Pfarrer Christof Meyer von Marbella.

Von rechts nach links: Konsul Peter Eck , daneben eine Dolmetscherin, Conde Rudi und der Bürgermeister von Málaga mit Gattin


Es ist eine schöne Tradition, der Empfang des deutschen Konsulats jedes Jahr zum 3. Oktober, unserem deutschen Nationalfeiertag, zu dem "Personen, die eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben an der Küste spielen", eingeladen werden. Dieses Jahr war der Anlass noch ein besonderer: Das Jubiläum 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung, und so folgte der Einladung eine bunte Mischung internationaler Residenten. Sie lauschten der Rede von Konsul Peter Eck (selbst Thüringer), der betonte, dass wir Deutschen es trotz der Fehler, die auch anfangs gemacht wurden,  geschafft hätten, dass nach 25 Jahren zusammengewachsen war, was zusammengehörte. Heute mache man keinen Unterschied mehr zwischen "Ossi" und "Wessi". Bis auf wenige, die immer noch nicht begriffen hätten, dass "es ihnen jetzt besser ginge als vorher". Er kam dann zwangsläufig auf die aktuelle Flüchtlingssituation zu sprechen und zitierte Bundespräsident Gauck:  "Jetzt muss zusammenwachsen,  was nicht zusammen gehört."

 

Dass Deutschland auch dies Problem vorbildlich schaffe, betonte der Bürgermeister von Málaga, Francisco de la Torre,  in seiner folgenden Rede.  Schon lange hatte man nicht mehr so viel geballtes Lob, ja eine wahre Eloge auf Deutschland, seine Ordnung, seine Wirtschaftskraft, Motor in Europa und dergleichen in Spanien gehört! Er strich zudem den historischen Bezug Málagas zu Deutschland heraus, etwa die Rettung der Besatzung des U-Bootes Gneisenau Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Bewohner Málagas, oder die engen Handelsverbindungen zu norddeutschen Handelshäusern bereits im 19. Jahrhundert. Und er endete mit dem oben zitierten Ausruf: "Viva España! Viva Alemania!"  Was sich unsereins immer noch kaum so zu rufen traut!

Ein wunderschöner Nachmittag mit anspruchsvollen Gesprächen, erlesenem Fingerfood des Restaurants Alabardero der Hacienda de Alamo, mit idealem Spätsommerwetter und in einer Umgebung, wie man alles zusammen vielleicht nur in Andalusien findet!



Mit dem Dinner-Boot die Costa del Sol entlang

Also, ich bin ja nicht der Kreuzfahrtentyp, aber ich liebte Hausbooturlaube - auf dem Shannon zum Beispiel  - oder das Dinner auf der Gorch Fock letzten Herbst (siehe weiter unten). Eine Mischung aus beiden war die Tour mit Nueva Kaskadas "Classic Boat" an der Küste vor Marbella entlang.
In diesem Sommer organisierte Spitzenkoch Ewald Fichthaler mit seinem Team dieses besondere Gourmet-Erlebnis. Gourmet deshalb, weil es während der vier Stunden Fahrt mit dem Segelboot "Dawn Aproach" nicht nur einen Cava-Empfang mit ausgefallenen Hors d´oeuvres gab, sondern anschließend ein Drei-Gänge-Menü mit allen Getränken inclusive. Für überschaubare 30 Personen an festlich gedeckten Tischen am Bug und am Heck verteilt. So kam man auch gut in Kontakt mit den anderen Gästen.

 

Küste mal aus einem anderen Blickwinkel

Wir starteten in Puerto Banús neben den "Monsteryachten" an der Bootstankstelle und dann ging es erstmal gen Westen, immer schön der Küste entlang mit der Concha im Hintergrund. Leider war an diesem Tag Levante, also diesiges Wetter. Aber "no hay mal que por bien no venga":  Wäre Poniente gewesen, hätten wir viel zu hohen Seegang gehabt, dann hätte das Dinner an Land verlegt werden müssen - auch dafür aber hatte man vorgesorgt. So aber bewunderte ich das Service-Personal, das auf schwankendem Boden professionell mit den Tabletts jonglierte. Ich glaube, es gingen nur zwei Gläser kaputt.

Auf der Höhe von  Estepona wurde gedreht, und wir schipperten bis hinter den östlichen Ortsausgang von Marbella, dann wieder eine Wendung - und es ging dem Sonnenuntergang entgegen. Es wurde einem wieder klar aus diesem Blickwinkel, wie wunderbar doch unsere Küste ist! Neugierige kleine Speedboote begleiteten uns hin und wieder, mit  winkenden Kindern. Die kleine frische Meeresbrise war willkommen, heiß wurde es einem trotzdem, und eine Kopfbedeckung ist zu empfehlen gegen die UV-Strahlung! Jochen Janz, der Organisator und nebenbei noch Musikunterhalter von Andaluciatopevents, will deshalb beim nächsten Mal ein Sonnensegel über die Tische spannen.
Fazit: Vier Stunden ideale Mischung aus Erlebnis-Erholung-Entspannung mit Genuss!

Gabriele Hefele


Wenn die Gorch Fock anlegt

- ob in Cádiz, Gibraltar, Málaga oder Barcelona - dann ist das jedes Mal eine Sensation! Dann gibt es meist die nicht so schnell wiederkehrende Gelegenheit eines Tages der "offenen Tür" sozusagen für das Publikum, das deutsche Segelschulschiff zu besichtigen.  Dabei erfährt man beeindruckende Daten:


  •  Dass die komplette Segelfläche fast 2.000 m² beträgt;
  •  dass 200 Mann+ Frau Besatzung an Bord sind;
  •  dass der Name Gorch Fock auf das Pseudonym eines Hamburger Mundartdichters um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunders zurück geht;
  •  Dass der 48jährige Fregattenkapitän vorher  auch erfolgreich bei der Piratenbekämpfung im Roten Meer eingesetzt worden war, erst seit einem Jahr die Geschicke der Gorch Fock lenkt;
  •  dass neue Kadetten in der Grundausbildung erstmal zu 30 Leuten und auf Hängematten in einem Raum untergebracht sind;


 Oben im Bild rechts vor dem Ruder Konsul Peter Eck aus Málaga bei einem Empfang der deutschen Botschaft auf dem Schiff


  •  die weiblichen Besatzungsmitglieder aber zu acht in einer gut gelüfteten Kabine!
  •  Dass aber Hängematten besser geeignet sind, um den Seegang aus zugleichen.
  •  dass Singles mit den langen Abwesenheitszeiten von der Heimat besser  klar kommen,
  •  dass die gute Küche an Bord nichts zu wünschen übrig läßt. Das bewies ein Empfang auf der Gorch Fock anläßlich des deutschen Einheitsfeiertages am letzten 3. Oktober: Da gab es echten Labskaus, belegten Pumpernickel, Kartoffelsalat und Bratwürstl mit Sauerkraut, köstliche Nachspeisen und echt gezapftes Krombacher Pils!