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ALGARVE - ideal zum Überwintern

Die Algarve erlebte eine touristische Explosion und wurde zu einer der beliebtesten Urlaubsgegenden in Europa. Und doch wird dort mit weniger Hektik und beschaulicher gelebt. Zu Unrecht steht sie auch etwas im Schatten der Costa del Sol.

Von links nach rechts:  Die berühmte Europabrücke mal aus Autofahrersicht . Die Salinen bei Olhao .  Das Angebot an malerischen, oft renovierbedürftigen Immobilien ist groß.

 

Kommt man mit dem Auto von Andalusien her über Huelva- meist auf der (mautpflichtigen!) Autobahn  an die offene Schengen-Grenze von Portugal, fällt einem sofort auf, dass das Land auf einmal angenehm grüner ist. Die Portugiesen haben schon seit Jahren, seit den großen Waldbränden von 2003, ein sensibleres Umweltbewusstsein entwickelt als der große spanische Nachbar. Danach wurde aufgeforstet mit Hilfe von Staatsförderungen mit immergrünen Kastanien, Steineichen und Pinienanpflanzungen.

„The grass is always greener in Portugal“ 

- sagen sogar die Golfer, für die Portugal mit seinen Plätzen entlang der Algarve ein Eldorado ist.
Man beschreibe ja nicht die Algarve nur als den weiten Westen Andalusiens, davor warnte schon der britische Reiseschriftsteller Henry Myhill, vielmehr ist es Portugals tiefster Süden. So ein bisschen herrscht schon freundschaftlich-nachbarschaftliche Reiberei zwischen Spaniern und Portugiesen, wobei Arroganz durch den großen Bruder im Osten nicht angebracht ist.  Andererseits ist nach wie vor der Wohlstand in Portugal anscheinend nicht ganz so hoch, aber auch nicht dessen negative Auswüchse in den Wachstumsjahren vor der Weltwirtschaftskrise.   
So sind die beliebten Badeorte der Algarve wie Tavira, Faro, Portimao, Albufeira und Lagos zwar lebhafte Badeorte mit Superdiscos, aber sie wurden bei weitem nicht so brutal verbaut wie die spanischen Küsten. Portugal bewahrte damit auch eine Landschaft mit den schönsten romantischen Klippen, Höhlen und Sandstränden.
Der Hauptort der Algarve ist Faro, mit dem Touristen-Ankunfts-Flughafen. Bei der Fahrt von außerhalb ins Stadtzentrum kommt man an dem bombastischen neuen Fußballstadion vorbei, dass seinerzeit zur Europameisterschaft 2004 errichtet wurde. Heute wird fieberhaft überlegt, ob man diese Investition noch anderweitig nutze könne. Im Zentrum Faros aber wartet eine heimelige Fußgängerzone  sowie eine beeindruckende mehrmals umgebaute und nun barocke Kathedrale auf die Besucher. Zu ausgedehnten Pausen laden dann Fischrestaurants rund um den Hafen ein, besonders bei Nacht ein Erlebnis.

Blick auf Silves und seine Burg . Das Hapimag Resort in Albufeira, Beispiel für ein in die Landschaft vorbildlich eingepasstes weitläufiges 4-Sterne-Hotel . Kap Sao Vicente (von links nach rechts). Fotos: Reinhard Hefele

Unbedingt mal ab ins Hinterland

Von Faro aus westlich schließt sich der malerischste Küstenabschnitt der Algarve an. Übrigens Fisch: Nirgends mundet der Fisch so schmackhaft und in seiner Vielfalt wie in der „Caldereida“, dem Fischeintopf, ein Muss für jeden Besucher. Passend dazu der portugiesische Wein, ob weiß oder rot, der in den letzten Jahren qualitativ gewonnen hat.
Man sollte unbedingt nur mal 10, 20 Kilometer oberhalb der A 22 nach Norden fahren. An der Ausfahrt von Tavira beginnt die Route 270, die kurvig mit herrlichen Meeresausblicken nach Sao Bras de Alportel und weiter nach Loulé führt.  Letzterer Ort ist bekannt für seinen Flohmarkt am Samstag mit großem Angebot an typischer blau bemalter Keramik, ein beliebtes Mitbringsel. Weiter geht es dann auf der Route 269 nach Silves, einst unter den Mauren die Hauptstadt der Algarve mit lebhaftem Schiffsverkehr. Wer sich am Stadtpark in einem Straßencafé einen Kaffee mit einem süßen Blätterteigküchlein gönnt, von dem fällt jeder Stress ab, wenn er den Portugiesen am Nachbartisch beim Dominospiel zuschaut.

Kap Sao Vicente - letzter Punkt vor Amerika

Von Silves aus erreicht man über pittoreske Kurvenstrecken durch einen Naturpark das malerisch am Hang gelegene Städtchen Monchique mit Thermalquellen und dem höchsten Berg der Algarve, dem 902 Meter hohen Fóia, den man erwandern aber auch bequem er-fahren kann. Der Blick von dort oben über die Westküste und bei guter Sicht im Süden bis Afrika ist einmalig. Auf der Fahrt nach Monchique gibt es viele kleine Straßenhändler mit dem einmaligen Honig dieser Gegend, mit Piri-Piri (der scharfen Chili-Soße)  in Gläsern, Bauern laden ein zur Verkostung des Medronho, einem echten Rachenputzer, der aus den Erdbeerbaumfrüchten gewonnen wird.
Wer dann schon mal so weit gefahren ist, der wird natürlich unbedingt die Drei-Sterne-Sehenswürdigkeit des Kap Sao Vicente bei Sagres besuchen, den westlichsten Ausguck Europas mit den über 60 Meter hohen Klippen und fast schon beängstigender Brandung. Dann empfiehlt sich auch ein Besuch in der zu einem Museum umgebauten früheren Nautikerschule von König Heinrich, dem Seefahrer, der durch seine Entwicklung des Sextanten im 14. Jahrhundert nicht nur die Seefahrt revolutionierte, sondern auch Portugals Aufstieg zur Seemacht begründete.

Gabriele Hefele

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Küste bei Albufeira - eine der schönsten Strandabschnitte Südeuropas!

(Foto: Hapimag Resort Albufeira)


Atarfe bei Granada - die Symbiose aus zwei Kulturen

Wer das begehrte Granada besuchen will und nicht fündig wird bei der Suche nach einer adäquaten Unterkunft, dem sei das Logieren im nur 9 Kilometer entfernten Atarfe empfohlen. Ein Ort, der die Verbindung aus arabischer und christlicher Kultur vorbildlich vorlebt.

So sah Atarfe vor etwa 1.000 Jahren aus während der maurischen Herrschaft.

Atarfe kommt von "Al-tarf", was so viel wie Grenze, Schranke bedeutet und den Außenposten quasi der größeren Stadt Elvira bedeutet.

Medina Elvira war eine bedeutende Stadt vom 8. bis zum 11. Jahrhundert. Heute zeugen viele Ausgrabungen und Ausstellungen im Archäologischen Museum von Atarfe davon.

Wechselvolle Geschichte

 Atarfe hat eine für diesen Teil Andalusiens typische Vergangenheit, die die wechselvolle Geschichte des Sultanats Granadas widerspiegelt. Nach vielen Jahren des Krieges im 15. Jahrhundert und nach der Kapitulation Granadas gegenüber der sogenannten Reconquista, der christlichen Eroberung, folgten schwierige Jahre für die Bewohner.  Die maurische Bevölkerung geriet in Minderheit, wurde auch vertrieben und damit verschwand viel Knowhow, vor allem auch auf landwirschaftlichem Gebiet. Erst seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung langsam wieder.

 Heute lebt Atarfe eine wundervolle Symbiose aus den beiden Kulturen, der maurischen und der christlichen, leugnet die Vergangenheit nicht, veranstaltet viele Events beispielsweise in Musik und Literatur, in denen die arabische und die spanische Sprache gleichberechtigt behandelt werden.

Symbol dafür ist etwa das fast martialisch anmutende Denkmal am Ortseingang (Foto unten rechts), dessen Inschrift bezeichnenderweise lautet: "Libertad convivida en el respetto" = Freiheit, gelebt im gegenseitigen Respekt. 

Gabriele Hefele

Unten: Die beiden linken Bilder zeigen eine der Hauptattraktionen Atarfes: den Stadtpark, entworfen von dem Architekten Ramón Gardón. Darin befindet sich in der Mitte ein riesiger Teich mit einer Unzahl wertvoller Kois! So etwas habe ich in einem öffentlichen Bereich noch nie gesehen.

Touristische Angaben

Information und Reservierungen über:

Tel. 958 43 96 97 und 958 43 84 18

www.ciudadatarfe.es

In Atarfe speist man noch unverfälschte,  herkömmliche andalusische Küche wie "bei Mama".



ÀVILA - wenn man es kühler haben will

Blick auf die Stadt mit der gut erhaltenen Stadtmauer und - rechts - auf die Kathedrale sowie den Parador. (Fotos: Reinhard Hefele)

Àvila liegt auf gut 1.130 Metern und ist damit Spaniens höchstgelegene Provinzhauptstadt. Das bedeutet, dass man in heißen Sommern dort oben angenehmere Temperaturen vorfindet als im circa 120 Kilometer entfernten Madrid, aber auch, dass es im Winter schnell Schnee und Frosttemperaturen geben kann! Kühl wirken auch die vielen Steindenkmäler und verbreiteten Pflaster in der Stadt.

Àvila ist aufgrund der komplett erhaltenen Stadtmauer mit den zahlreichen Türmen und der vielen romanischen Kirchen auch UNESCO-Weltkulturerbe. Àvila hat eine lange Geschichte seit den Römern und den Westgoten, bei denen die Stadt neben Toledo zu den wichtigen Standorten zählte. Nur bis zum 11. Jahrhundert war die Stadt maurisch, dann wurde sie auch zu einem wichtigen Templerstandort. Auf deren Zeugnisse stößt man noch überall im alten Stadtkern.  In der Neuzeit lief ihr dann  Madrid den Rang ab.

 

Kleiner Insider-Tipp: 

Seit neuestem hat der Tour-de-France-Sieger von 2008,  Carlos Sastre, ein Biker- und Fitnesszentrum in seiner Heimatstadt (im Poligono) aufgebaut.


B

Los BARRIOS – das Tor zum Alcornocales-Naturpark

zu Unrecht im Schatten der Küstenorte

Jeder, der die Autovia von der Costa del Sol nach Jerez fährt, kommt gleich nach der Abzweigung an zwei Ausfahrten Los Barrios vorbei - ja, eben, leider fährt man meist immer nur daran vorbei!

oben: Riesige Haciendas der Stierzüchter                           rechts: Gute Stimmung bei der Romeria,

Foto: Gabriele Hefele                                                                            Foto: Bea Hohler

 

 Allenfalls kehrt man dann später in der an der vierspurigen Straße gelegenen Venta El Frenazo ein, die bekannt ist für gute Tapas, oft aber überlaufen durch Busverkehr.

 

Hort der guten andalusischen Küche

Aber zurück zu Los Barrios selbst: Der Ort hat sich rausgemacht und versteht sich nicht nur als westliches Einfallstor zum einmaligen Parque Alcornocales, dem Naturpark der Steineichen, der wunderbar geführte fast unendliche Rad- und Wanderwege bietet. So wurde hier auch das erste Zentrum für Mountainbiketouren Alcornocales eröffnet (BTT) mit dem Ausgangspunkt jeder Tour beim Hotel Montera Plaza mit Informationen zu den verschiedenen Routen.

Das Vier-Sterne-Hotel am Ortseingang von Los Barrios und gute Restaurants in der Stadtmitte bieten echte andalusische Küche mit Pilz- und Wildspezialitäten etwa, nicht diese immer mehr um sich greifende Wischi-waschi-“internationale-Küche“ der Küste. Unbedingt empfehlenswert die Küchenthemenevents von Al Andalus in ihrer Finca am Ortseingang nach der ersten Ausfahrt. Da kommt man gut ins Gespräch mit Andalusiern nicht nur vom Ort, sondern auch mit Gourmets, die extra aus Sevilla etwa dazu anreisen.

 

Feiern kann man in Los Barrios!

Feiern können die Los Barriones! Herausgegriffen sei nur die Romeria im April - muss man mal mitgemacht haben, diese besondere bis übermütige Stimmung. Und wieder kommt die Speisung durch mitgeführte einheimische Spezialitäten nicht zu kurz.

Was deutschen und ähnlichen mitteleuropäischen Besuchern nicht so gut gefällt: Nach wie vor ist Los Barrios ein Zentrum der Stierzucht und des Stierkampfes mit entsprechendem Museum, das aber nur noch von der älteren Generation betrieben wird. Riesige Haciendas mit Pferde- und Stierzucht führen Besichtigungen durch, bei denen man viel Wissenswertes zu den Tieren und der besonderen Fauna des Naturschutzgebietes erfährt.

Wussten Sie aber, dass Palmones auch zu Los Barrios gehört? Damit sind wir doch an einem Stück Küste gegenüber von Gibraltar angelangt, das noch zu den Geheimtipps gehört. Man kennt den ausgedehnten gleichnamigen Poligono Industrial davor, aber wer dem Schild „Palmones Playa“ dahinter folgt, entdeckt ein unscheinbares Holzhaus, das aber eines der sagenhaftesten besten Fischrestaurants, Casa Mané, beherbergt, das ich kenne. Irgendwie endet alles in Los Barrios beim guten Essen!

Gabriele Hefele

 

Bilder von links nach rechts: Auf der Hacienda" Las Majadillas", die Araberpferde züchten, kann man Ferien machen, edel Hochzeit und andere Feste feiern - Am Strand von Palmones gegenüber Gibraltar - Pilzfestival im "Al Andalus". (Fotos: Bea Hohler, Gabriele Hefele)


C

Cadíz – die Urstadt mit den Brücken zur Moderne

Brücken – das ist wörtlich gemeint! Wurde doch gerade erst das neue sensationelle Bauwerk der Hafenstadt eingeweiht, die „Brücke der Verfassung von 1812“, wie sie offiziell heißt. Sie ist fünf Kilometer lang und überspannt die Bucht von Cádiz zu Puerto Real, eine imponierende Hängebrücke - größer als die Golden Gate Bridge von San Francisco.

Zur Geschichte der Verfassung und der Brücke

2012 feierte man fröhlich und mit großem Pomp das Jubiläum der 200 Jahre der ersten demokratischen Verfassung Spaniens und beschloss als „Geschenk“ dafür, Cádiz im Hafendreieck besser und schneller an Puerto Real und Puerto de Santa Maria anzubinden, damit auch an die Autobahn AP 4. Die neue Brücke, die 510 Millionen Euro kostete, ist eine Meisterleistung spanischer Ingenieurskunst, galt sie doch als kompliziert mit der Führung über den Atlantik, die zudem einen aufwändigen Durchlass von 150 Metern Breite für Schiffe von mehr als 69 Metern Höhe vorsehen musste.

Der Volksmund nennt die neue Brücke längst „La Pepa“, der liebevolle Name auch für die Verfassung, auf die Cadíz mit Recht so stolz ist. Widerstand diese Stadt mit ihren Guerillabanden im Hinterland – dort wurde auch die Guerilla erfunden! - doch als einzige der Besatzung durch Napoleons Truppen.

von links nach rechts:

auf dem quirligen Rathausplatz - die Originalurkunde der Verfassung von 1812 - Fischer in den Salinen von San Fernando, ein empfehlenswerter Ausflug (Fotos: Ayuntamiento Cádiz, Gabriele Hefele, Reinhard Hefele)

 

3.000 Jahre lange Vergangenheit

Cádiz ist nach neuesten Ausgrabungen wahrscheinlich die älteste Stadtgründung auf dem europäischen Festland. Sie ist einen mehr oder minder ausgedehnten Besuch wert. Schon bei der Anfahrt über die neue Brücke fällt angenehm auf, dass Cádiz nicht eingeschnürt ist von den hässlichen Bettenburgen der umliegenden Küsten. Cádiz blieb von den Immobilienboom-Auswüchsen verschont, weil es auf einer Halbinsel liegt, die nicht mehr Platz zum Bauen bietet.

 

Privilegierte Lage der Altstadt auf einer Halbinsel

Die Altstadt sollte man zu Fuß erwandern. Man beginnt an der Puerta de Tierra, einem Teil der Befestigungsanlagen, die die Stadt immer noch in Abschnitten umgibt, kommt dann über den Hauptplatz San Juan de Dios zur Plaza España. Hier kann man das Cortes-Denkmal mit der Inschrift zur ersten liberalen Verfassung Spaniens von 1812 bestaunen. Beim Spaziergang merkt man auch, dass sich rund um die Kathedrale pulsierendes Großstadtleben abspielt mit zahlreichen Straßencafés und Tapasbars mit einem empfehlenswerten Angebot an frischem Fisch und Meeresfrüchten. Viel junges Publikum sieht man, denn Cádiz ist eine renommierte Universitätsstadt. Empfehlenswert, sich mal die Zeit zu nehmen, in der Buchhandlung „Jaime“ in der Calle Pelota zu stöbern, ein historischer, ansprechender Ort, obendrein mit liebenswürdigem Personal. 

Ausgedehnte Sandstrände und Salinen vor den Toren der Stadt

Am Altstadt-Eingang steht ein 400 Jahre alter Mangrovenbaum, der seine Wurzeln bis zu den Gebäuden wachsen läßt. Ein Souvenir der großen Kolonialzeit Spaniens, auch „das Goldene Zeitalter“ genannt, als Cádiz als Hafenstadt Sevilla den Rang ablief. Vor der Altstadt mit dem beeindruckenden wuchtigen Kastell, das als berühmte Kulisse für einen James-Bond-Film mit Hale Berry gewählt wurde, liegen ausgedehnte goldgelbe Sandstrände.

Ein Ausflug empfiehlt sich zum Beispiel zu den Salinen von San Fernando mit Führung und dem Genuss des dortigen Petersfisches. Salz war bereits zu den Römerzeiten das „weiße Gold von Cádiz“, doch mussten die meisten Salzabbauwerke nun der Schalentierzucht weichen. Nicht zu vergessen auch eine nahe Verkostung des Sherry in Puerto de Santa Maria. (siehe dazu auch den Artikel weiter unten).                                   

Gabriele Hefele


E

Estepona - der neue Star an der Costa del Sol

"Klein-Marbella" war früher mal der Spitzname für Estepona, aber das ist heute mehr als ungerecht. Längst steht die in 35 Kilometer weiter westlich liegende Stadt nicht mehr im Schatten von Marbella. Während in Marbella die sogenannte "Goldene Meile" immer mehr herunterkommt, so manches 5-Sterne-Hotel dort eine Generalüberholung nötig hätte, bis heute das Prestigeobjekt eines neuen Luxushafens nicht voran kommt,  häuft Estepona ein großes Event aufs andere. Es imponiert überhaupt, wie sich das Städtchen in den letzten Jahren entwickelte und heraus machte.

Wunderschöne Altstadt- frisch herausgeputzt


Als erstes hatte Bürgermeister José Maria Urbano die Altstadt herausputzen lassen mithilfe der Bürger und vieler Blumenkästen. Auch ich als Nicht-Esteponera bummele heute besonders gern in Gassen, die ich früher nie aufgesucht hätte! Da herrscht auch Leben durch neue Tapasbars und andere kleine Geschäfte. Galerien, von denen etwa das angeblich so reiche Sotogrande nur zwei besitzt, schießen aus dem Boden, trauen sich sogar ins Industriegelände. Die Bemalung von mehr als 20 vorher kahlen Brandmauern sucht ihresgleichen, und der Paseo Maritimo ist einer der schönsten, aufgewertet durch boranische Kostbarkeiten. Kostenlose Parkplätze gibt es plötzlich auch mehr und mehr in guter Lage. Das gefällt mir, von auswärts kommend,  besonders, da ich die - zwar ebenfalls erweiterte - Tiefgarage als Frau gefühlsmäßig gern meide. 
Der von mir geliebte Rastro musste zwar einem großen Sport- und Feriagelände und vorher schon dem Bau eines in Europa einmaligen Orchideenhauses weichen, aber dafür sehe ich, wie dorthin und überhaupt zwischen den auseinander liegenden Urbanisationen plötzlich kostenlose Kleinbusse für die Bewohner verkehren! Das nehmen sich inzwischen auch andere Nachbarorte zum Vorbild.
Es gibt schon noch den  Wermutstropfen des bisher nicht verwirklichten, dringend gebrauchten Hospitals für die Bewohner der westlichen Costa del Sol. Aber da ist durch einen Sponsor nun  die Finanzierung gedeckt, nachdem die sozialistische Landesregierung das Vorhaben des eben nicht mehr sozialistisch regierten Esteponas lange boykottierte. Die modernen neuen Neubauten sind auch nach meiner Meinung nicht immer das Gelbe vom Ei in Estepona, das ich immer für so eine geglückte Mischung aus neu und typisch andalusisch hielt: das bilinguale Gymnasium, an sich auch eine gute Initiative, sieht aus wie eine Parkgarage über Grund und das neue große Theater - naja, meine erste sich aufdrängende Assoziation war: Eine Kaaba nun mitten in Estepona...

 


Nun also auch ein neues großes Theater


Doch innen drin, das muss ich wieder gerechterweise zugeben, ist das Theater sehr gelungen: Die Oberlichtführung im Foyer und im ersten Stock erlauben gute und großzügige Ausstellungen. Der Eingang zum Theatersaal mit sehr guter Akustik und mindestens 600 Sitzplätzen soll internationale Kongresse nach Estepona ziehen. Und dann soll Estepona auch die 100.000-Einwohner-Grenze erreichen und Großstadt werden. Aber das klingt  für die jetzt so gemütliche Stadt am Meer schon wieder nach Größenwahn,  wie es Marbella zum Beispiel nicht gut bekam.

Gabriele Hefele


J

Jimena de la Frontera

Links: Die beeindruckende Burg von Jimena de la Frontera - rechts: eine der gewaltigen Steinformationen im Parque de Alcornocales (Fotos: Johannes Philipp)

 

Echtes Andalusien, etwa 30 Kilometer von der Küste entfernt, erlebt man garantiert in Jimena de la Frontera. Es ist zu erreichen über zwei bildschöne typische Strecken.

 

Hin also über die „Ruta de los Toros“, an der man links und rechts die Stiere und Pferde weiden sieht, vorbei an den Poloplätzen von San Enrique linker Hand wie auch mit Blick auf eine der zwei gut erhaltenen Eisen-Bogenbrücken Spaniens aus dem industriellen Gründerzeitalter. Die kurvenreiche Straße führt nicht nur am Rio Guadiaro beziehungsweise Rio Genal entlang, wie er am Flussoberlauf heißt, sondern auch durch das Orangental, das nach der Gegend um Valencia die meisten Zitrusfrüchte exportiert. Für wenig Geld kann man übrigens selbst sich so viele Orangen von den Bäumen pflücken wie man will.

In Jimena fährt man zur Burg hoch und spaziert durch die Ruinen mit einem Panoramablick bis Gibraltar und Afrika. Man isst dann die Super-Tapas in der Eckbar am quadratischen Hauptplatz, mit einem Plausch mit den Wirtsleuten, beobachtet die Einheimischen, die über die Plaza schlendern und freundlich grüßen, darunter auch viele alte Leutchen mit schlechten Zähnen.

Zurück geht es durch den größten spanischen Naturpark, den Parque de Alcornocales, den Korkeichen mit den imposanten Steinanhäufungen. Spätestens jetzt weiß jeder Gast, was ich mit echtem Andalusien meine und was wir hier schätzen.

Großes Musikfestival im Sommer


Eine der wichtigsten Veranstaltungen der Gegend um Gibraltar ist jedes Jahr Anfang Juli das Musikfestival in Jimena de la Frontera. Das Festival, das im Jahr 2000 unter der Schirmherrschaft von Königin Sofia aus der Taufe gehoben wurde, hat sich inzwischen zu einer festen Größe im Reigen der Sommerfestivals etabliert.

 

Auf unterschiedlichen Bühnen verstreut über Jimena werden verschiedene Konzerte aufgeführt. So ist die Wallfahrtskirche Reina de los Ángeles Sitz der klassischen Konzerte, während Jazz und die Musik der Welt in Llano de la Victoria zu hören sind. Der Flamenco und die Konzerte mit größerem Zuschauerzustrom finden am Paseo de la Constitución statt. So wird es auf Jimenas Plätzen, Straßen, in Bars, historischen Gemäuern von Burg, Klöstern und Kirchen lebendig und klingt übers Tal. Man gerät unweigerlich ins Pathos, wenn man einmal auf diesem Musikfestival war und wird Stammbesucher.

Gekrönt wird der unvergessliche Abend von einem ausgiebigen Essen mit Freunden in einem der nicht wenigen guten Speiserestaurants der Stadt. Anzuraten sind gleich ein paar anschließende Übernachtungen in dieser Umgebung, die nur 30 Km von der Küste weg das echte Andalusien bewahrt hat. Übers Internet findet man empfehlenswerte kleine Hotels oder Hostals in historischer Umgebung, nicht wenige liebevoll restauriert und einige geführt auch von deutschen Inhabern.

Und wem beim abschließenden Feuerwerk über der Kulisse dieser grandiosen Burg, die schon römische Grundmauern hatte und deren strategische Lage von den Mauren überaus geschätzt wurde, mit einem Überblick über den Naturpark im Rücken der Burg und über halb Südwestandalusien vor sich, wem da nicht ein Schauer über den Rücken läuft – dem ist nicht mehr zu helfen!

 

 

Links: Beim Musikfestival am Hauptplatz vor dem Hintergrund der Burg - rechts: Blick von der Burg ins Tal des Rio Genal (Fotos: Reinhard Hefele, Johannes Philipp


 

 

 

 

Mehr über das echte Andalusien und weitere Tipps für touristische Highlights finden sich im Buch von

Gabriele Hefele: Andalusien ist anders. 144 Seiten, 8,90 Euro.


M

Mallorca - Lohnende Top Five

Mallorca, der Deutschen liebste Ferieninsel steht leider immer noch für viele für ganz Spanien, aber dem arbeiten wir ja mit unserem Onlinemagazin Spanien mit Erfolg entgegen!

Mallorca wiederum tut man Unrecht, wenn man sie nur mit den abschreckenden Ballermann-Bildern gleichsetzt. Die größte der Baleareninsel hat so viel mehr zu bieten, ist irgendwie ein Kontinent im kleinen und hat noch viele lohnende Ecken und Orte zu entdecken. Der Reisejournalist Thomas Schröder, der gerade sein individuelles Mallorca-Buch neu auflegte, verrät hier seine Geheimtipps.

Links oben: Auf dem Fußweg zum Künstlerdorf Deià.

Alle Fots: Thomas Schröder

Rechts oben: Es gibt noch unentdeckte Buchten an der Ostküste.


1. Strand - Ein Spaziergang als Ouvertüre

 An der Ostküste glänzt eine Bucht türkisfarbener als die andere, und alle sind sie mehr als gut besucht. Eine Ausnahme macht, zumindest in der Nebensaison, die Cala S’Amarador im 1992 unter Naturschutz gestellten Parc Natural Mondragó. Das liegt daran, dass sie von der ähnlich hübschen Bucht Cala Mondragó nur über einen Fußweg zu erreichen ist und viele Strandfans sich gleich in der ersten „Cala“ niederlassen. Der zehnminütige Spaziergang entlang der Felsküste bildet die ideale Ouvertüre zu einem Badevergnügen unter Kiefern.

 

2. Unterwegs: Hoch oben von Sóller nach Deià

 Im „Künstlerdorf“ Deià herrscht chronische Parkplatznot – alles kein Problem, wenn man zu Fuß kommt! Von Sóller aus führt ein alter, recht gut beschilderter Fußpfad in rund drei Stunden (und mit einem möglichen Abstecher zur bildhübschen Badebucht Cala de Deià) ins Künstlerdorf, zurück geht’s per Bus. Unterwegs lockt (außer im Hochsommer) frisch gepresster Orangensaft und selbstgebackener Kuchen im Gut Ca’n Prohom mit seiner Raststation „Son Mico“.

 

3. Alles im Blick: Ein Wallfahrtsziel auf über 500 Metern Höhe

 Ein weiter Blick bietet sich von der Ermita de Sant Salvador bei Felanitx. Das wehrhaft wirkende Kloster auf 509 Meter Höhe gehört zu den wichtigsten Wallfahrtszielen der Insel, sehenswert ist auch die Kirche mit ihrer opulenten Innenausstattung.

 Bei gutem Wetter reicht die Aussicht fast über die ganze Insel. Wer „splendid isolation“ und eine gewisse klösterliche Schlichtheit mag, kann hier oben sogar übernachten: Doppelzimmer beziehungsweise Apartment 50–112 €uro, www.santsalvadorhotel.com.

 

4. Wissenswertes: Der Orangen-Lehrpfad

 Orangen- und Zitronenbäume sind auf Mallorca weit verbreitet. Ganz besonders häufig finden sie sich aber im Tal von Sóller. Etwas außerhalb von Sóller in Richtung Fornalutx haben die freundlichen Besitzer der Bio-Finca Eco Vinyassa einen „Orangen-Lehrpfad“ angelegt. Dort erfährt man viel über den traditionellen Anbau, die Verarbeitung und alte Sorten von Orangen, Zitronen, Mandarinen, Clementinen & Co. Abgerundet wird der Besuch durch einen kleinen Imbiss mit Orangensaft, einen Beutel Früchte gibt’s dazu!

Camí de Sa Vinyassa 3, Eintritt 10 €uro, www.ecovinyassa.com.

 

5. Urlaub mit Kindern: Das Märchenmuseum im Hinterland

Erst 2012 eröffnete das Museum „ArtArtà“ im charmanten Städtchen Artà im Hinterland der Ostküste. Hier dreht sich alles um die „Rodalles“ ( mallorquinische Märchen). Sie werden in der Ausstellung anschaulich dargestellt anhand von grotesken, zum Teil überlebensgroßen Figuren des örtlichen Künstlers Pere Pujol. Damit der Besucher auch versteht, warum der doofe Köhler versucht, zwei Kürbisse auszubrüten, gibt es ein deutschsprachiges E-Book für den Rundgang.

Eintritt 4 €uro, Kinder 2 €uro, in der Fußgängerzone Calle Antoni Blanes 19. www.artarta.es.

 

 


Frühjahrsausflug in die La MANCHA

Diese LA MANCHA ist völlig anders als wir sie uns gedacht hatten! Wir haben keinen verrückten Ritter getroffen, der mit der Lanze auf Windmühlen losgeritten ist, wohl aber sympathische Dulcinellas in allen Gasthäusern, vor allem aber endlose, unendliche Olivenhaine und Weinfelder auf rost- bis  tiefroter körniger Erde!

Knapp 20 Prozent der gut zwei Millionen Einwohner der Communidad Castilla- La Mancha sind in der Landwirtschaft tätig und produzieren  außer Windmühlen und Weltliteratur fast die Häfte aller in Spanien produzierten landwirtschaftlichen Produkte.  Dass hier überhaupt nur fünf Prozent der spanischen Bevölkerung und also gerade mal 25 Menschen pro Quadratkilometer leben, das allerdings spürt man sofort!

Die "Manchisten" sind freundlich und lassen sich Zeit mit allem,  auch mit dem Erklären von Zielen, wenn sie nicht gleich vorausfahren,  um den Fremden zu zeigen „wo´s lang geht“.  Die meist guten und oft schnurgeraden Landstraßen sind so leer, wie man sie sich ein einziges Mal in Deutschland wünschen würde. Wir haben keinen einzigen Stau erlebt und auch kaum eine Baustelle.

 

 Stressfreie Anfahrt

Gestartet an der Costa Brava führte uns der Weg über den Moloch BARCELONA auf der lebhaften Küstenautobahn AP 7 über Tarragona bis Salunt kurz vor Valencia, wo die Autovia nach Madrid abzweigt. Hinter REQUENA, einem mit gut erhaltener mittelalterlicher Altstadt und trotz reizvollster Umgbung offensichtlich fast ausgestorbenen Nest, erreichten wir dann tatsächlich die LA MANCHA und fuhren über MOTILLA - ALACOR - ALCAZAR - MANZANARES  stressfrei an einem einzigen, sonnigen Märztag bis ALMAGRO, unserem auserkorenen „Kulturstützpunkt“! Da schwirrten uns die zahlreichen historischen Bauwerke der kleinen Stadt nur so durch die Köpfe und wir kannten ja die wahrhafte, oft zitierte Weisheit unseres Groß- und Reisemeister Johann Wolfgang von Goethe: Man sieht nur, was man weiß!

Überfordert von der über uns hereinbrechenden almagrisch-architektonischem Historie beschlossen wir, uns auf diesem Sektor zunächst mit dem noblen Parador-Hotel zufrieden zu geben, dessen Suiten ein wunderbar fürstliches Ambiente ausstrahlen in diesem ebenso stilvollen wie mächtigen Bau, der ursprünglich ein Franziskanerkloster war und nun mit vierzehn Patios mit exotischer Bepflanzung zum Meditieren einlud. Einige der berühmtesten Bauten in Almagro hatten übrigens die steinreichen Fugger aus Augsburg geschaffen für die Verwaltung ihrer spanischen Latifundien, die ihnen der ständig insolvente Kaiser Karl V. überschrieben hatte.  Schon damals haben die „Geldigen“die Politik bestimmt und nicht umgekehrt. 

 

Sopa castellana und vor allem Wein,Wein, Wein

Großes Gewicht genießt auf unseren Reisen die Gastronomie.  In der Mancha ist die Küche zwar solide, aber doch recht „rural“ und dabei ziemlich fett.  Unerschrocken habe ich sogar eine „Sopa castellana“ probiert, die mich an eine  bayerische Brot- oder Brennsuppe erinnerte, wobei in der iberischen Version noch mehr undefinierbare  Beilagen herum schwommen.  Ansonsten sind wir gut und nahrhaft bedient worden, nur ohne den geringsten AHA-Effekt.

Mit über einer Millionen Quadratkilometer Anbaufläche ist die La Mancha Spaniens größtes Wein-Anbaugebiet, vor allem wird "vino tinto“  erzeugt.

Ein begeistertes Ausflippen brachte bei uns eine Erkundungstour rund um Almagro zuwege.  Eigentlich brachten wir immer wieder kaum mehr als "WAHNSINN!"  heraus beim Anblick der 

schon oben erwähnten blutroten, mitunter auch rotbraunen Felder, mit ihren endlosen Reihen noch „schlafender“ schwarzer Weinstöcke oder knorriger Olivenstämme, pointiert durch blühende Obstbäume. Das waren Bilder, die wir nie vergessen werden!

Jürgen Brauerhoch


P

Pubol und Dali

Foto (Jürgen Brauerhoch) oben: Seitenfront von Schloss Púbol aus dem 11. Jahrhundert

 

In der Nähe der quirligen Stadt Girona, etwa zwanzig Kilometer von der Costa Brava landeinwärts, kommt man zu einem markant historischen mächtigen Schloss der schönen Jelena Dimitrijewna Djakonowa. Unter diesem Namen wurde die spätere Frau Gala DALI geboren und wohnte viele Jahre in DALI´s Schloss in Púbol, mehr einer Trutzburg ähnelnd als einem Castell, was es für Gala sicher auch manchmal war; jedenfalls durfte der Maestro seine nach anstrengenden Ehejahren aus Port Lligat geflohene  Ehefrau nur nach schriftlicher Anmeldung hier im Castell besuchen.

Gala Dali ist auch in Pubol begraben wie wenige Jahre nach ihr DALI selbst. Vorher ließ er noch einmal seine Phantasie aufblühen im Schloß wie dem sehenswerten  Schloßgarten mit verrückten Elefanten auf einer Lichtung und idyllischen Wasserspielen in einem Brunnen mit lauter Konterfeis von Richard Wagner, zu  dem wohl eine gewisse Affinität bestand:  zwei "Wirrköpfe", von der Welt umjubelt!

Gastronomischer Tipp in der Nähe:

Ein paar Kilometer weiter und man trifft im uralten Monells mit seinen paar hundert Einwohnern auf fast ein halbes Dutzend Restaurants rund um die prächtige Plaça Major, die noch von schönen Arkadengängen gesäumt wird. Hier sitzt man bei einem sauberen Rosat aus dem Empordà auf diesem in seiner Würde und Architektur phantastischen Marktplatz und könnte wie Goethe fabulieren: HIER BIN ICH MENSCH, HIER DARF ICH`s SEIN!

 

Jürgen Brauerhoch

 

 


S

SEVILLA - die Primaballerina* unter den Städten

Granada, Jaen, Cordoba, Málaga und Cádiz - jede dieser Städte in Andalusien hat ihren Reiz, aber Sevilla ist etwas Besonderes. Die andalusische Landeshaupt­stadt mit 800.000 Einwohnern zählt zu den schönsten Städten der Welt!

Fotos von links nach rechts: die Giralda, das Wahrzeichen Sevillas (Foto: Bea Hohler) - im Innenhof  von Casa  Pilato - das moderne Sevilla (beide Fotos:  Gabriele Hefele)

 

Der einstige Aufschwung Sevillas war einerseits den Mauren zu verdanken, andererseits der Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus. In Sevilla, das damals Seehafen war, landeten die spanischen Schiffe mit den geraubten Schätzen aus den Kolonien und mussten dort zuerst ihren Zoll für das Königreich ablie­fern. Sevilla hatte das Monopol darauf und erlebte einen Aufschwung, den man das „Goldene Zeitalter“ nannte mit reichen Adeligen und Handelshäusern.

Dann aber versäumten die Sevillaner, den Hafen in der Mündung des Guadalquivir vor der Versandung zu bewahren und auszubaggern, und so liegt Sevilla heute 70 Kilometer im Landinneren. Ab dem 18. Jahrhundert verlor Sevilla zunächst an Bedeutung und wurde Landes-hauptstadt einer armen Gegend.

  

Eine reiche Stadt

Erst seit ein paar Jahren besinnt man sich wieder auf die glorreiche Vergangenheit, baggert den Fluss weiter aus und wird nach und nach zu einem bedeutenden Container-Hafen. Die Expo 1992 im Jahr des Beitritts Spaniens zur Europäischen Union war wichtig für die Stadt und die Gegend, die zum Teil beeindruckenden Pavillons sind eine eigene Besichtigung wert. Das Gelände eherbergt heute Technologie- und Weiterbildungszentren sowie viele Start-up-Unternehmen.

Sevilla ist heute ein bedeutendes Wirtschaftszen­trum, viele über­seeische Firmen legten ihre Europa­zentrale in die an­dalusische Metropole durch die Nähe zur Atlantik­schifffahrt, viele europäische Firmen legten dort eben­falls Niederlassungen und Lagerzentren an und starten von dort nach Übersee. Die Universität ist die bedeu­tendste in Andalusien.

 

Tipps zur Stadtbesichtigung

Sevillas Zentrum und Altstadt besichtigt man am besten per Pferdekutsche. Stecken Sie für das Pferdchen ein paar Leckerli ein. Die Kathedrale ist ein Muss, sie ist nach dem Petersdom die zweitgrößte christliche Kirche, aufgebaut auf einer Moschee. D a s  Wahrzeichen Sevillas ist die Giralda, der Glockenturm der Kathedrale, früher das Minarett der Moschee.

Beliebter Treffpunkt ist der Orangenhof hinter der Kathedrale, der einstige Moscheehof mit einem Brunnen aus westgotischer Zeit. Essen sollten sie im „In“- und Künstler-Viertel Triana auf „der anderen Seite“ des Flusses, übernachten in einem der romantischen kleinen Hotels im alten Judenviertel, dem Barrio Santa Cruz in der Fußgängerzone. Der Portier sagt Ihnen, wo sie die besten Churrascos zum Frühstück kriegen, die frittierten Kartoffelschlangen, die in heiße Schokolade getaucht werden. Danach streifen Sie zu Fuß quer durch die Altstadt, blicken neugierig in Innenhöfe oder in kleine Galerien und Schuhläden in engen Gassen.

Für den Rückweg leihen Sie sich eines der Fahrräder aus den vielen Service-Stellen, so ökologisch modern kann Sevilla auch sein. Am nächsten Tag sollten Sie eine Schiffsfahrt auf dem Quadalquivir utnernehmen. Dabei geht es unter sieben Brücken hindurch, jede unterschiedlich beeindruckend mit je eigener Geschichte.

Und dann noch ein Geheimtipp: ein Besuch der Casa Pilatos an der Plaza de Pilatos. Ihren Namen hat die Anlage, die seit Jahren vorbildlich restauriert wird,  von einem Adeligen, der im 15. Jahrhundert eine Wallfahrt nach Jerusalem unternahmen und nach seiner Rückkehregann mit dem Bau dieses Palastes begann. Nach Pilatus benannte er ihn, weil angeblich die Entfernung zum Cruz del Campo gleich der in Jerusalem von den Ruinen des Pontius-Pilatus´ Sitz zum Kalvarienberg sei.

 

* So beschrieb sie mal ein Reiseführer: "als kapriziöse Schönheit mit sympathischen Fehlern".


La SELVA de Mar - Wo die Gassen Reime tragen

Was gibt es nicht alles für Dörfer? Kleine, große, stille, verlassene, hübsche, häßliche, abgelegene, böhmische und natürlich Haufen- und Straßendörfer -

aber auch poetische?

Wir haben eines entdeckt, ein tatsächlich poetisches Dorf im Hinterland der Costa Brava, genannt La Selva de Mar. Hier beginnt das Naturschutzgebiet Cabo de Creuz an der östlichsten Spitze Spaniens, das allerdings hier Cap de Creus geschrieben wird, denn wir sind in Katalonien! Und auch die Poesie im Dorf findet nicht en castellano, sondern voller Stolz und Stammesbewusstsein en catalan statt. Stolz drückt sich auch in den Versen selbst aus, denn die erste Straße am Eingang des Ortes wird kommentiert:

 Qui estima Selva de Mar

 Entra al cor de cada llar“

 

Was etwa heißt:Wer Selva de Mar schätzt, betritt das Herz der Dinge“.

An der Carrer de Baix, der unteren Straße, steht unter dem offiziellen Straßenschild auf der Poetentafel:

  De Baix s`en diu el carrer

 que el vent es combra primer...“,

 

also, dass dies die erste Straße ist, wo der Wind sich austobt. Und tatsächlich fällt von hier die Tramontana ein, ein brutaler Fallwind von den Höhen der nahen Pyrenäen, der mitunter tagelang die Gemüter schikaniert und das bei tiefblauem Himmel. Gefürchtet ist er auch von altersher bei den Fischern, die auch heute noch an Tramontana-Tagen lieber im Hafen bleiben.

 

Fotos unten: Hinter La Selva de Mar beginnt das Naturschutzgebiet Cap de Creus.

 

Viel zu wenig beachtet

Verfasser der insgesamt 24 „Straßenreime“ ist der leider inzwischen verstorbene Alt-Bürgermeister Jaume Quintana, Dichter und Historiker, der auch ein kleines Büchlein über die fast 800jährige Geschichte des Dorfes geschrieben hat. Der neue Bürgermeister ist mehr Geschäftsmann und hat wohl vor allem die touristische Prosperität und das Wachstum des Steueraufkommens durch neue Urbanisationen im Sinn, die leider den im Kern noch mittelalterlichen Ort zunehmend verschandeln. Die wunderbaren Straßenreime werden weder im ausführlichen Internetauftritt noch im neuen Farbprospekt auch nur erwähnt.

Dabei hören sich alle Reime gut an und sind ein Ausflug in eine zwar etwas altmodische, aber doch das Ferienerlebnis eines mittelalterlichen Dorfes steigernden Romantik. So schmückt den auch im Hochsommer noch sanft plätschernden Dorfbrunnen „Font de Lledoners“ das schöne Gedicht:

 

An dieser Quelle vermischt sich das Murmeln des Wassers mit dem Gesang der Vögel, die sich an der Quelle laben, bevor sie sich in die Lüfte erheben.“(frei übersetzt)

 

Inwieweit die rund zweitausend Feriengäste, die in der Hochsaison den gerade mal 200-Seelen-Flecken bevölkern und die ständig steigende Zahl der Ausflügler die Poesie in Straßen, Gassen und Plätze zu schätzen wissen, ist schwer zu sagen. Selten sieht man Jogger, Wanderer oder neuerdings vor allem Radfahrer vor diesen Tafeln verharren, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Jürgen Brauerhoch

 

Fotos: Ayuntamiento La Selva de Mar, Jürgen Brauerhoch


V

Valencia - ein Besuch, der sich lohnt

Valencia ist Spaniens drittgrößte Stadt, wunderbar gelegen an der Costa Blanca, Hauptstadt einer eigenen, allerdings höchst verschuldeten Comunidad. In den letzten Jahren wurde dort viel und aufregend modernisiert. Höchste Zeit, einmal diese wunderbare Stadt vorzustellen und sie sich genauer anzusehen und kennenzulernen. Das meint auch Bea Hohler im folgenden.

Valencia hat etwas, was ich sonst noch nirgendwo gesehen habe: eine grüne Lunge rings um die Stadt, und das kam so: Die Altstadt (Foto unten Mitte: eine typische Gasse) lag direkt am Flusses Turia, so wie man früher baute. Doch 1957 kam eine große Flut und setzte die gesamte Stadt unter Wasser. Damit dies nicht noch einmal geschehen kann, hat man weit oberhalb der Stadt riesige Stauseen errichtet, und das Wasser weit um die Stadt herum zum Meer geführt, damit das gesamte Flussbett, circa 10 Kilometer um die Stadt herum, zu einem  einmaligen Freizeitpark gestaltet - mit tollen Sportanlagen, Veranstal-tungsplätzen, gemütlichen Lokalen, Terrassen. Wirklich einzigartig. Man kann ihn zu Fuß erkunden, mit dem Rad durchqueren oder hoch zu Ross die verschiedenen Abschnitte erleben. ,

Fantastisch sind auch die verschiedenen Brücken, jede für sich ein eigenes Kunstwerk. Die sogenannte Blumenbrücke beeindruckt das ganze Jahr über durch saisonweise unter-schiedliche Pflanzen. So macht Flanieren richtig Spaß.

Mit dem Fahrrad erkunden

Besonders sehenswert sind neben der Kathedrale auch der alte Marktplatz de Colón (Foto unten links der Eingang), in dem heute statt Marktbuden schöne Cafés untergebracht sind, ferner das Rathaus, der Südbahnhof mit seinen endlosen Verzierungen, die Lonja de Seda (einst Handelsplatz für Seidenindustrie), und vor allem der Mercado, ein herrlich bunter Markt. Hier sollte man unbedingt eine Horchata probieren, ein typisches Getränk aus  Erdmandeln, super erfrischend.

Für Touristen ideal: eine Valenciacard:  Man kann sie für 24, 48 oder 72 Stunden kaufen. Darin enthalten sind sämtliche Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Metro, Straßenbahn, und sogar ein Service zum Flughafen). Ferner freier Eintritt in Museen, Rabatte für Gastronomie, Shopping, Thermalbäder, freier Eintritt ins Casino und vieles mehr.

Eine andere, umweltfreundliche Variante, die Stadt kennenzulernen, ist mit dem Fahrrad. Über 250 Stationen von Valenciabisi bieten günstige Leihfahrräder, die an unterschiedlichen Stellen abgegeben werden können. Vor allem der riesige Freizeitpark im Flussbett,  Jardin del Turia vom Architekt Ricardo Bofil ist in seinen Ausmaßen am besten per Fahrrad zu besichtigen.

 

Der valencianische Stararchitekt Santiago Calatrava bescherte Valencia im südlichen Ende des Turiaparkes die Stadt der Künste und Wissenschaften mit spektakulären Bauten wie der

  • L'Hemisfèric - einem IMAX-Kino (oben im Foto rechts), konstruiert als sich öffnendes und schließendes Auge,
  • ferner das naturwissenschaftliche Museum, LÚmbracle - Botanischer Garten und Diskothek,
  • L'Oceanogràfic - Größtes Aquarium Europas,
  • Palau de les Arts Reina Sofía - Opernhaus mit vier Sälen und rund 40.000 m² Gesamtfläche,
  • El Pont de l'Assut de l'Or' - eine Schrägseilbrücke, dessen 125 Meter hoher Ständer den höchsten Punkt der Stadt bildet,
  • sowie L'Àgora - ein geschlossener Veranstaltungsplatz in dem Konzerte, Ausstellungen und Sportveranstaltungen stattfinden.

 

Dafür viel Zeit einplanen, mindestens einen ganzen Tag, besser mehr.

Fotos: Gabriele Hefele, Bea Hohler

                  


X

Xativa - einen Abstecher wert!

Jeder kennt Valencia und Alicante und die berühmten Küstenorte der Costa Blanca. Aber wer weiß schon, dass Xativa, eine Stadt von etwa 30.000 Einwohnern mit einer gewaltigen Burg einer der historisch bedeutendsten Orte in der Comunidad Valenciana ist? Dass hier das erste Papier in Europa durch die Mauren hergestellt wurde? Früher war Xativa ein wichtiger Handelsknotenpunkt auf der Route von Barcelona nach Toledo und nach Madrid. Jetzt kommt man an ihr vorbei, wenn man nicht die Küstenautobahn, sondern die mautfreie A 7 wählt im Costa-Blanca-Dreieck.

 

Wer weiß außerdem, dass die bedeutendsten Söhne der Stadt die berüchtigten Borjas waren, ja, genau jene, die sich später in Italien Borgia nannten und die korrupten Päpste der beginnenden Neuzeit stellten. Die Einwohner Xativas, das sich zur Zeit Francos Jatifa nennen musste, haben übrigens keinerlei Probleme mit den Borjas, im Gegenteil,  sind noch heute stolz auf die beiden Alexanders, deren Statuen man im Zentrum begegnet, und deren Familiensitz man besichtigen kann, als sie dort noch Kardinäle waren.

 

Fotos unten von links nach rechts: Die gewaltige Burganlage von Xativa - die typischen Bauten aus dem 18. Jahrhundert - Blick auf die Basilika, die sich aber nicht Kathedrale nennen darf, dazu fehlt ihr ein kleinese bisschen an Ausdehnung und Höhe. Wie so viele Kirchen in Spanien auf den Grundmauern einer Moschee erbaut. ((c) Ayuntamiento Xativa  - Gabriele und Reinhard Hefele) 

 

Später verlor Xativa seinen Eiinfluss und Bedeutung, besonders, nachdem die Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg sich auf die falsche, nämlich die Habsburgerseite, gestellt hatte. Der Gewinner Philipp V. brannte sie total nieder und versperrte den Bürgern sogar grausam die Flucht aus der brennenden Stadt.

Deshalb besteht der Stadtkern vor allem aus den neueren Bürgerhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts, dafür aber ist sie heute berühmt mit den typisch seitlich versetzten Eingangsportalen und den ganz oben unter dem Dach liegenden Arkaden, die für Kühlung im feuchtheißen Sommer sorgen.

Und der grausame Bourbonenherrscher Philipp wird im Stadtmuseum in einem der seltenen römischen  Kornspeicher mit wertvoller archäologischer Sammlung mit seinem Ölporträt aus Rache kopfunter aufgehängt!

 

Oben von links nach rechts: Das beieindruckende Hospital in Xatifa, eines der ersten in Spanien - in der Villa der Borgiafamile. Unten:  Jugendliche üben die berühmten Falles - Lebhaftes Nachtleben findet auf dem Hauptplatz statt - Geschichtsprofessorin Inmaculada Navarro García erklärt, warum das Bild des Philipp V. kopfunter hängt!

Alle Fotos: Reinhard Hefele