BLOG

Neuer Blog-Artikel

 

16.05.2017

Sabine Kranich

Portugal macht Hoffnung

Das Ergebnis des diesjährigen EUROPEAN SONGCONTEST war für mich ebenso überraschend wie schön. Zum Seufzen schön und ich habe wieder Hoffnung für die Menschheit, salopp geschrieben. Denn schon seit einigen Jahren drängt sich der Eindruck auf, dass der ESC nicht mehr wirklich viel zu tun hat mit gutem und leidenschaftlichem Gesang, sondern eher mit teuren Bühnenshows und möglichst neuen Spezialeffekten und schön anzusehenden Interpreten und Interpretinnen in ebenso möglichst schönen oder effektvollen Gewändern. Kurzum, man bekam den Eindruck, die Macher hinter den Kulissen haben sich weniger Gedanken gemacht um den Gesang, sondern mehr darüber, wie die Abzustimmenden von vornherein am besten beeindruckt werden könnten.

 

Und dieses Jahr ging diese Rechnung nicht auf. Denn dieses Jahr hat völlig aus dieser Rolle fallend Portugal gewonnen mit einem fadoähnlichen Lied und einem Sänger, der nach den gängigen Klischees weder als überaus gutaussehend zu bezeichnen ist, noch einen spektakulären Auftritt oder ein spektakuläres Bühnenbild zu bieten hatte: Salvador Sobral gewann für Portugal mit dem Lied „Amor pelos dois“ , das seine Schwester extra für ihn getextet und komponiert hat. Sein Auftritt war schlicht, geradezu leise im Vergleich, das Lied in portugiesischer Sprache vorgetragen und ja, höchst emotional. Und auch wenn der Liedtext „Für uns beide lieben“ vielleicht nicht den Literaturnobelpreis verdient, er ist allemal besser als so mancher sich dauernd wiederholender Refrain anderer Teilnehmerländer. Nächstes Jahr wird Portugal Gastgeber und tonangebend sein. Wir dürfen gespannt sein.

 

 

Und genauso liebe ich "mein" Portugal.

 


14. 02.2017, Valentinstag

Gabriele Hefele

Schluss mit der Angst vor dem Altwerden!

Jetzt kommen die zu genießenden Jahre hier im Süden, zum Beispiel in fröhlicher Runde mit Freunden unterm Feigenbaum! (Foto: Reinhard Hefele)

 

Ich habe es langsam satt:  all diese Sprüche wie:

 "Man ist so alt wie man sich fühlt" - "Wer Schönes liebt, wird niemals alt" -

und so unendlich weiter, einschließlich aller Facebook-Simpeltests:

"Hurra, Du bist eigentlich erst 34 Jahre alt".

 

Ja, zum Teufel, pardon, warum soll ich nicht alt werden dürfen? Darf ich mich gut fühlen,  auch wenn ich mich nicht fühle wie ein pubertierender Teeanager oder wie 34? Da machte ich noch so viele Fehler, war noch unsicher - das ist doch keine Option für mich! Und warum soll ich mich unbedingt jünger fühlen, wenn ich ein "tercera edad", wie die Spanier so schön sagen, genieße? Das erste Drittel sind die lernenden Lebensjahre, denen die arbeitenden folgen, und mit dem letzten Drittel sind nun endlich die genießenden Jahre gemeint!

 

Tappen wir alle in die Falle der Werbung vom bekloppten Jugendwahn, dem so viele durch Manipulationen im wahrsten Sinne des Wortes ihr wahres Gesicht opfern? Okay, eine ganze Schönheitsindustrie besonders in Marbella lebt gut davon, ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor, ist mir auch wurscht, was die anderen machen, so lange sie nicht meine Kreise stören! Die Folge sind aber, wenn man kritisch die Hochglanzmagazine betrachtet,  so etwas wie Klone, eine "Menge von Damen, die sich dann zum Verwechseln ähneln mit starren Gesichtern durch mindestens Botoxspritzerei."* Ja, haben die denn gar kein Selbstbewusstsein? Und ehrlich und polemisch gesagt: Gegen die knackigen Ukrainerinnen beispielsweise, die in Puerto Banús  am Abend so herumschweben, können sie doch eh nicht mithalten! Spätestens der Blick der Augen, auch wenn sie rundherum die Lider heben ließen, wirkt erfahrener, wissender, eben im guten Sinn älter.

An mich lasse ich kein Messer oder Nervengift! Von diesen scharfen Antifaltencremes kriege ich eher Pickel und Allergien. Und ist es nicht weise gedacht von der Natur, dass mein Partner im Alter weitsichtig wird, also im Bett neben mir liegend nicht mehr so scharf sieht?! Ist es nicht überhaupt einer der schönsten Heiratsanträge, wenn es heißt: "Mit Dir zusammen möchte ich alt werden"? Da ist "alt" eben nicht als Schimpfwort gedacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist so schlimm an grauen Haaren und vielen Lachfältchen??

 

 

Nehmen wir uns ein Beispiel an den Tieren

Warum nicht vielmehr die bösen Äußerungen von jüngeren Politikern ignorieren, die vorrechnen, dass Rentner zu lange leben und dafür finanziell bestraft gehören und  sich lieber ein Beispiel an der Tierwelt nehmen? Mein Pferd Raro ist jetzt 31 Jahre alt, das sind umgerechnet in Menschenalter circa 93 (!) Jahre - und er ist die geachtete Graue Eminenz am Stall: Die anderen Pferde kämpfen nicht mehr gegen ihn, sie dienen ihm Fellpflege an und er kann tun und lassen, was er will! Klar, alles geht er etwas langsamer an, genießt aber seinen Aufenthalt in der Sonne und sein Fressen schmeckt ihm! Kann man sich ein Beispiel daran nehmen.  Oder an den Naturvölkern wie den Indianern, die die Erfahrung eines Ältestentrates schätzen.

 

Verkehren Sie mehr unter den Einheimischen hier! Man kann in Würde altern im mediterranen Raum, das beobachte ich schon lange, dort, wo übrigens auch die vielen naturbelassenen andalusischen Vetreterinnen zu ihren pyknischen Figuren stehen und ohne Komplexe diese oft gut gepolsterten Kurven sexy betonen; also wo man man sich auch freut, wenn man hierher übersiedelt und seine Rente ausgibt; wo Schüler im Bus noch selbstverständlich aufstehen für eine ältere Dame, wo kein Disco-Türsteher einen von oben bis unten mustert und meint: „Was wollt Ihr denn, Ihr Gruftis?!“ Und wo die spanischen Männer jeden Alters jede Frau jeden Alters überschwänglich mit Küsschen links und Küsschen rechts auf die Wange begrüßen und ungeniert mit ihr flirten. Das weckt die Endorphine auch mit 70 wieder auf!

 

Da heißt es im Norden spöttisch: "Altersheim Mittelmeerküste" - da sage ich nur ja und nochmals ja! Abgesehen davon, dass die Wärme hier im Süden den Gelenken gut tut und man statistisch erwiesenermaßen circa fünf Jahre länger lebt hier - sehr zum Ärger der Erben!

 

* Ausführliches zu diesem Thema  auch "Im Süden in Würde altern" in meinen Büchern: "Was macht die Kuh im Swimmingpool?" und vor allem im neuen "Andalusien ist anders"


31.10.2016

Gabriele Hefele

3. Parlaments-Wahl gerade so vermieden

Nun ja: Zum dritten Mal eine circa 150 Millionen teure Wahl trauten sich die spanischen Parteien nun nicht durchzuführen - wo das Land ja bekanntlich finanziell sooo "gut" dasteht...

In letzter Minute,  also kurz (und passend) vor Halloween (!) einigte man sich mit der Enthaltung der Sozialisten auf den alten Minister-präsidenten Mariano Rajoy, der eigentlich mal abtreten wollte, wenn er nicht die absolute Mehrheit hätte. Aber was ist schon von Politi-kerversprechen zu halten! Nie wird so viel gelogen wie:

- vor einer Wahl,

- während einer Beerdigung

- und nach einer Jagd!

Jetzt haben sie hier auch ihre große Koalition mehr oder weniger.

Bleibt die Hoffnung, dass im Parlament sich doch wieder keine Mehrheit für dumme neue - etwa Neue-Energie- oder ausländerfeindliche -  Gesetze findet!


22.08.2016

Gabriele Hefele

WER BRAUCHT SCHON EINE REGIERUNG!

Spanien kommt ja immer noch nicht zu Potte mit einer Regierungsbildung, nachdem nach der wiederholten Wahl ungefähr dasselbe Ergebnis für die Parteien wie zuvor zustande kam - hat jeder logisch denkende Mensch sowieso erwartet! Nun kann also wieder nicht der eine mit dem anderen oder gegen die anderen ... und schrecklichweise sprechen viele von einer dritten Wahl innerhalb eines Jahres!

In Facebook grassierte übrigens zu den Wahlaussichten in den USA folgender Post:

Im "Periodico de Sotogrande" gab der bekannte Kolumnist und Wirtschaftsjournalist Carlos Rodríguez Braun in einem Interview folgende bedenkenswerte Sätze von sich:

"Arbeitsplätze, Reichtum und Wohlstand schaffen die Leute, nicht die Regierung!" Und weiter: "Wir geben der Regierung eine Bedeutung, die sie nicht hat ... Die Quelle für einen Aufschwung sind die Unternehmer und die Arbeiter,  er kommt aus dem Privatsektor ... Es scheint, dass die Bürger der Regierungen müde werden. Erinnern wir uns: Belgien hatte für fast eineinhalb Jahre keine Regierung - und seine Wirtschaft wuchs."

Das Gleiche sieht er für das kleine Pflänzchen Wachstum jetzt in Spanien:  Es wird nicht von einer fehlenden Regierung tangiert. Und der Brexit hat bisher auch keine weitere Krise ausgelöst seiner Meinung nachfür Spanien.

In diesem Sinne noch einmal:  Die Parteien können sich ruhig weiter Zeit lassen und sich öffentlich beleidigen, Kompetenz absprechen undsoweiter: so lange sie keine Regierung bilden und wir von unsinnigen Gesetzen verschont bleiben, können wir Bürger in Ruhe arbeiten!

 


11.06.2016

Gabriele Hefele

EM - EU - ES

Von Brexit, Fußball und Wahlen

Fotos oben: aus dem Katalog von El Corte Ingles

 

Eigentlich stehen sonst bei uns im Juni die San-Bernabé-Ferias und vor allem die Noche de San Juan im Mittelpunkt. Aber diesen Monat sieht alles anders aus!

  1.  begann nun endlich die Fußball-Europameisterschaft! Und wer wird den Pokal erringen? Ich glaube nicht, dass die Deutschen auch nach dem WM-Titel siegreich sind - man schaue sich nur das traurige Trikot an!  Ein weißes Unterhemd mit Trauerrand! Das ist doch kein Siegeraufzug! Und da man uns Damen nachsagt, dass wir so nach Aussehen gehen beim Fußball, da müssten eigentlich die Spanier wieder mal gewinnen: Ist das nicht ein schickes Trikot? Aber unser Mitarbeiter José meint, auch die würden es nicht packen. Also Belgien, das ist mein Tipp, die haben wenigstens dieselben Flaggenfarben wie die Deutschen, wennauch auf den Kopf gestellt.

2. BREXIT. Als ich neulich abends von einem Engländer nach meiner Meinung dazu befragt wurde, da habe ich so laut und dreckig gelacht, dass alle anderen Anwesenden ihren Kopf herum rissen. Eigentlich sind ja politische Themen beim kunstvollen Smalltalk verboten, aber er  provozierte mich:  Alle meine von mir bewunderen britischen Freunde kennen meine Meinung, dass von vornherein die Briten, die sich ja immer in Gegensatz zu den Leuten auf dem "Kontinent" stellen, historisch gesehen weniger in die EU gehörten als seinerzeit (was man versäumte!) die Russen.  Allein ihre Gesetzgebung, die angelsächsische mit diesen manipulierbaren Geschworenengerichten ist eine andere als die unsere, auf dem römischen und napoleanischen Recht fußende. Sie selbst, die Briten, werden bei einem Austritt nicht nur Schottland endgültig verlieren, sondern selbst auch noch mehr wirtschaftliche Macht - wird ja zur Genüge diskutiert in den Medien. Deshalb nicht mehr dazu. Spannend wird es auf jeden Fall.

 

3. Nein, über die in meinen Augen unverschämt-dumme und teure (150 Millionen Euro) Wiederholung der spanischen Wahl am 26. Juni äußere ich mich nicht mehr - alles was im untenstehenden Beitrag dazu steht, gilt für mich weiterhin. Und was soll da sehr viel anderes heraus kommen? Hauptsache, die Parteien paralysieren sich wieder lange Zeit und kommen nicht zur Regierungsbildung, dann können sie nichts anstellen und weitere bürger/ausländerfeindliche und bekloppte Gesetze beschließen!

 


07.03.2016

Gabriele Hefele

Romantisch oder anstößig? Spanische Anmache, die"piropos"

Zur Zeit werden Komplimente, Anzüglichkeiten zwischen den Geschlechtern besonders unter die Lupe genommen, nicht nur seit der Kölner Silvesternacht und den sexuellen Belästigungen.

Wie steht es nun um die "piropos", die typischen Schmeicheleien, die in Spanien Tradition haben und sehr oft den Mädchen auf der Straße hinterher gerufen werden?

Zur Geschichte

Nach Langenscheidt bezeichnet "Piropo" ursprünglich einen funkelnden Edelstein, Rubin oder Granat. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde es im übertragenen Sinne eine besonders typisch spanische blumenreiche und galante Form der Schmeichelei gegenüber einer Frau, als Ventil für die Leidenschaft, die man nach den strengen Regeln dort ja nicht offiziell ausleben durfte.  Nicht zuletzt der Maureneinfluss zeigt sich in der spanischen Sprache ja durch bildhafte überschwängliche Ausdrucksweise, wir sprechen deshalb auch von Arabesken.  Zu der Zeit, die auch die große Zeit des Minnesangs war (der zum Teil oft auch nicht ohne zweideutige Anspielungen auskam), wetteiferten die Dichter auf diesem Gebiet um die Meisterschaft in Versen.

Andere Quellen beziehen den Wortursprung auf das griechische "Pyro", Feuer und so wurde es zu feurigen Komplimenten mit Sexanspielungen.

Ausgeburt des Machismo?

Was ist von einem folgenden Zitat  (nach Wikipedia) zu halten:"Ich würde gerne eine deiner Tränen sein, um in deinen Augen geboren zu werden, auf deinen Wangen zu leben und auf deinen Lippen zu sterben" (Verfasser unbekannt). Es redet natürlich kein Mensch mehr so  (teilweise leider?), wäre wahrscheinlich eher ein Lacherfolg bei der Angebeteten - aber immer noch um Längen besser als Prinz Charles´ berüchtigter Wunsch, ein Tampon zu sein!

Allerdings sind wir damit bei der anrüchigen Version, zu der sich Piropos auch entwickeln. Da gehört "tantas curvas - y yo, sin freno" (so viele Kurven und ich ohne Bremsen) noch zu den harmloseren Aussprüchen oder: "Ich wünschte, ich würde schielen, dann könnte ich Dich doppelt sehen!"  Das ist ja noch harmlos, das versteigt sich dann zu Anwürfen wie: "Deine Augen sind wie Weintrauben, Dein Mund gleicht einem Apfel -  welch großartigen Fruchtcocktail könnten wir herstellen mit meiner Banane." Und das ist noch eines der weniger krassen Beispiele. Früchte müssen überhaupt im Latinobereich oft herhalten für frivole Bemerkungen.

Heute: Neue Prüderie oder mehr Sensibilität?

Wie reagiert man nun darauf? Gigolos am Strand wollten seinerzeit in den Anfängen des Tourismus die Ausländerinnen damit beeindrucken, wobei mangelnde Spanischkenntnise bei den Touristinnen ihnen dabei halfen. Die Spanierin ist die Piropos gewöhnt und geht meist würdig schweigend darüber hinweg. Doch die Zeiten ändern sich. Die Juristin Maria Angeles Carmona, die in Spanien offiziell als Beobachterin zur häuslichen Gewalt eingesetzt wurde, nennt Piropo ein "Eindringen in die weibliche Privatsphäre."  Und sie meint weiter sehr kategorisch: " Piropo war immer erlaubt und als normal angesehen, aber niemand hat das Recht, einen Kommentar über das äußere Erscheinungsbild einer Frau abzugeben und das muss ausgerottet werden!"

 

 

Hinterher gerufene Anzüglichkeiten auf der Straße:

typische gewohnte Latino-Masche oder sexuelle Belästigung?

 

 

 

 

Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser: Gehen wir einer neuen Zeit der Prüderei entgegen - bei aller angeblich modernen Aufgeschlossenheit? Oder hat Sra. Carmona Recht, dass auch solche Anspielungen aus unserem Alltag verschwinden sollten?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter redaktion@equideas.es

 


¿ Spanien - nach der Wahl ist vor der Wahl ?

Gabriele Hefele

21.12.2015

Hurra!

 

Endlich ist Spanien weg vom Zwei-Parteiensystem! Das ist nur gut so, wenn den etablierten zum Teil ziemlich korruptionsverseuchten Großparteien endlich herbe Verluste beigebracht - und gewaltige Denkzettel verabreicht wurden! Unabhängig von den Parteiprogrammen bedeutet das mehr Demokratie und frischen Wind im Parlament.

Auweh!

 

Die Ergebnisse mit:

  • 123 Sitzen für die PP
  • 90 für die PSOE
  • 69 für die Podemos
  • 40 Ciudadanos

erbringen aber weder für eine konservative (PP+Ciudadanos) noch für eine linke (PSOE + Podemos) Koalition eine Mehrheit der notwendigen 176 Sitze.


Was nun Spanien? Die Möglichkeiten

Neuwahlen?

Nach dem Motto: Liebe Spanier, das war wohl nichts, also das Ganze von vorne im Frühjahr? Nachdem der regierende Rajoy vor Schiss fieserweise diese Wahl in die Weihnachts- und Urlaubswoche legte? Aber was das kosten würde bei dem maroden Spanien - entgegen der Meldungen eines Wachstums ( Wachstum für wen eigentlich?)

 

 

Große Koalition?

Die Zeitung "El Mundo" spricht schon von einer Variation "al alemana", nach deutschem Vorbild. Ja, um Gottes willen - das bedeutete ja Korruption². Geht gar nicht! Überhaupt sieht man ja auch am deutschen "Vorbild", dass Große Koalitionen nur mehr Streit und leider den Verlust einer potenten Opposition bringen.

 

Mehrparteienzusammenschluss?

Alle vier oben genannten Parteien zusammen? Joder (pardon!)! Wie in Marbella etwa, wo sie es nicht mal fertig bringen, in dem Luxusort die paar Kröten zur Unterstützung der Tafel für Bedürftige zusammenzubringen (ja, gibts eben auch dort jede Menge, wofür man sich dann schämt)?!

Minderheitenregierung?

Rajoy hatte vor der Wahl versprochen, dass er bei Verlust der absoluten Mehrheit nicht mehr Ministerpräsident sein wolle. Leider weiß er nach der Wahl, wie so üblich bei Politikern, nichts mehr von diesem Versprechen und will  auf Biegen und Brechen an der Macht bleiben.

Und nochmals Rajoy?

Der zwar in Brüssel und bei Schäuble angesehen ist, aber bekloppte bürger- und residentenfeindliche Gesetze machte - zugunsten der Banken wieder mal wie bekannt. Der seine Bürger, wenn sie 2mal Hypothekenzahlungen ihrer Wohnungen schuldig bleiben, obdachlos macht, von der Arbeitslosigkeit ganz zu schweigen. Der Sozialleistungen kürzt und zugunsten der Hotellobby Leute mit Ferienwohnungsvermietung schikaniert durch sinnlose bautechnische Auflagen wie Air condition(!), der erneuerbare Energien torpedierte durch Lobby-Gesetze für die großen Energiekonzerne. Braucht es noch mehr?

Foto: Ausschnitt aus einem Gemälde von Josemi Campaña

 


Schlussfolgerung: All diese Möglichkeiten würden ein Parlament nur paralysieren, unfähig machen zum Regieren. Aber, mein defätistischer Gedanke, den ich nicht mehr loswerde: Vielleicht wäre das die Lösung für Spanien:

Weil dann wenigstens kein Blödsinn passiert, wenn nichts passiert?

 

Zuschrift dazu am 29.12.2015 von Helga Niestroj, Journalistin aus Hamburg:

 

"Die Wahlanalyse habe ich gelesen, ich finde sie sehr gut, weil sie einen doch auf verschiedene Gedanken bringt. Ist es nicht fast überall das gleiche Problem? Die Entscheidungsebenen sind oft Leute, die von der Sache keine Ahnung haben, sind nur dort, weil sie jemanden kennen? Die Ausführenden trauen sich nicht, den Mund aufzumachen, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben und die ganz oben sind froh, wenn halbwegs Frieden im Land herrscht und ihre Ruhe haben? Und andererseits: Wenn man die Leute über alles abstimmen lässt, kommt auch nicht immer was Gescheites heraus. Alles in allem: der demokratische und sehr steinige Weg ist - scheint mir - schon der Richtige, die Leute herauszufordern, ihre Meinung offen und ehrlich zu sagen und dann aber auch was von ihnen zu verlangen."


Nach der Wahl in Portugal

05.10.2015

Es bleibt spannend - nach den Wahlen am vergangenen Wochenende in Portugal. Unsere Korrespondentin von der Algarve, Sabine Kranich aus Moncarapacho, hat exklusiv für ONLINEMAGAZIN SPANIEN diesen Ausblick verfasst:

 

Zunächst die einzelnen Ergebnisse:

  • Das konservative Parteien-Bündnis PSD und CSD/PP = PaF („Portugal a frente“ oder Portugal vorwärts) hat wieder die meisten Stimmen bekommen mit 36,8 %, hat aber keine Mehrheit mehr und erzielte überhaupt das zweitschlechteste Resultat in ihrer Geschichte. Sie haben damit 104 Abgeordnete.
  • Die PS (die Sozialisten) kam auf 32,4 % der Stimmen und damit 85 Abgeordnete.
  • Eine Überraschung war der Aufstieg des linken Blocks BE (Bloco Esquerda), der mit 10,22 % der Stimmen und somit 19 Abgeordneten sein Ergebnis seit der letzten Wahl 2011 fast verdoppeln konnte.
  • Die CDU (die Grünen und Kommunisten) hat ein gutes Wahlergebnis mit 8,3 % und 17 Abgeordneten.
  • Die neue Partei PAN („Pessoas, Animais, Natureza“ oder Menschen, Tiere und Natur) ist mit einem Abgeordneten ins Parlament  gekommen. Übrigens gibt es seit letztem Jahr ein verschärftes Tierschutzgesetz mit hohen Strafen bei Zuwiderhandlung in Portugal, das Haustiere betrifft und damit aber leider keine Pferde.

 

Was bedeutet das nun?

Die beiden Zentrumsparteien haben Stimmen und die absolute Mehrheit im Parlament verloren, was zu dazu führt, dass die nächste Regierung auf wackeligen Beinen stehen wird, mit einer Mehrheit der Linken im Parlament.

Das Rechts-Mitte-Bündnis PSD (mit Pedro Passos Coelho an der Spitze) und CSD (mit Paulo Portas als Vorsitzenden) hat zwar die absolute Mehrheit verloren, sieht sich aber als Wahlsieger und möchte deshalb das Recht der Regierungsbildungsbildung beanspruchen, ist außerdem verantwortlich  für die Sparmaßnahmen in Portugal (Kürzung der Renten, sozialen Leistungen etc.), die aufgrund des vergangenen Euro-Rettungsschirms in den letzten Jahren durchgesetzt wurden.

Pedro Passos Coelho hat nun den Präsidenten Cavaco Silva gebeten, eine Regierung bilden zu dürfen, denn sie fänden es komisch, wenn derjenige, der die Wahl gewonnen hätte, nicht regieren dürfe, und PaF könnte sich eine Regierung mit der sozialistischen PS vorstellen. Der Präsident wiederum könnte sich jedoch gezwungen sehen, Mario Costa, der der PS vorsteht, mit einer Regierungsbildung zu beauftragen, falls die PS mehr Mandate hat als die PSD oder sich mit der BE zusammenschließt und dann mehr Mandate erzielt als das Zentrumsbündnis. Letzteres tut das als reines Wunschdenken der Linken ab.




Die Europabrücke zwischen Spanien und Portugal auf

einer spanischen Briefmarke

Doch lieber links und ohne Kompromisse?

Die Konservativen müssten mit den Sozialisten zusammengehen, möchten aber, dass Portugal weiterhin europakonform bleibt mit einem Staatsdefizit unter 3 %, mit dem Ziel des weiteren Schuldenabbaus und damit einer soliden Basis für schnelleres Wachstum. Die Sozialisten dagegen wollen die Sparmaßnahmen verringern und die Armut von der portugiesischen Bevölkerung wieder abwenden.

Wenn  die PS und die CDU zusammen  mit der BE eine linke Regierung bilden würden, werden sie das bisherige Programm der Konservativen ablehnen und sich auf keinerlei Kompromisse einlassen.  Die PS kann sich darauf aber nur einlassen,  wenn eine Alternative dazu der Regierung präsentiert werden kann.

 

 Auch eine 4-Parteien-Lösung ist denkbar

Antonio Costa, Generalsekretär der PS, hat andererseits das Problem, dass eines seiner Wahlversprechen war, niemals eine Regierung zu bilden mit PSD und CSD. Dieses Versprechen will er einhalten ebenso wie alle anderen Wahlversprechen. Er möchte nicht zurücktreten, auch wenn er die volle persönliche Verantwortung dafür übernimmt, dass die PS keine Mehrheit erzielen konnte.

Damit könnte es zu einer Unregierbarkeit kommen, die Neuwahlen erforderlich macht, wie damals 1987, als die Regierung von Cavaco stürzte und die PSD eine der beiden absoluten Mehrheiten bekam. Neuwahlen kann es aber nicht vor Juni 2016 geben, weil der portugiesische Staatspräsident Cavaco Ende dieses Jahr am Ende seines Mandates angekommen ist und Neuwahlen auch nicht in den ersten 6 Monaten eines neuen Parlaments möglich sind.

 


18.09.2015

Immer diese Katalanen!

Schon wieder! Jetzt soll wieder einmal am 27. September 2015 in Katalonien abgestimmt werden zur Unabhängigkeit von Spanien. Wie in jedem Land ist die Hauptstadt Madrid, in die Gelder zur zentralen Verwaltung fließen (und zum Teil versickern?) nicht beliebt - das ist aber auch beispielsweise in Frankreich gegenüber Paris, in Deutschland gegenüber Berlin und ihren meist als hochnäsig empfundenen Bewohnern ähnlich so.  Aber will beispielsweise das Languedoc sich abspalten von Frankreich? Ja, nicht einmal die Bayern von den "Preissn". Und erst kürzlich schreckten auch die Schotten vor ihrer eigenen Courage zurück und blieben bei ihrer Queen.

 

Übrigens versickern in Barcelona die Gelder auch irgendwie - Ministerpräsidnet Arturo Mas soll korruptionsmäßig auch Dreck am Stecken haben...

Die Katalanen argumentieren, dass sie ja die reiche Industrie hätten und ganz Spanien an ihrem Tropf hinge.

Na-na-na:

  1. Bei einem großen Industriezweig handelt es sich z.B. um einen VW-Import (auch an Knowhow),
  2. so toll waren die Industrieeinnahmen in den letzten Jahren nun auch wieder nicht,
  3. und zwar so wenig, dass auch Katalonien als hoch verschuldet gilt!
  4. Und hauptsächlich hat man ihnen schon einige autonome Rechte eingeräumt: So muss die 21%-Mehrwertsteuer nicht nach Madrid abgeführt werden, sondern darf in der Region bleiben.
  5. Nach der spanischen Verfassung, die eine der besten und modernsten ist nach Historikeransicht, können sie sich gar nicht abspalten, ist die Abstimmung null und nichtig, illegal.
  6. p.s. zu 5.:  Sie vergessen übrigens, dass sie ihre Freiheit nach Franco dem verschmähten König Juan Carlos verdanken, der nach Amtsantritt sofort seine Macht ans gesamte Spanienvolk übergab und seinen ersten Amtsbesuch nach Barcelona unternahm und dort in Katalanisch eine flammende Rede hielt.

Sie können übrigens abstimmen wie sie wollen, von Merkel bis Cameron wurde ihnen schon signalisiert, dass sie dann auch nicht mehr automatisch zur EU mit ihrem großen Subventionstopf gehören, sondern sich, wie der britische Premierminister kürzlich betonte, "in der Schlange hinten anzustellen haben."

Da hilfts auch nix, dass Bayerntrainer Pep Guardiola extra zum Pro-Abstimmen nach Barcelona fliegt oder sogar als Kandidat auftritt - aber der rennt ja auch schon seit einiger Zeit gewissen Titeln hinterher. Schlechtes Omen.


Sogar die Schotten wollen beim Vereinigten Königreich bleiben und damit in der Europäischen Union!


Endlich Herbst!

10.09.2015

Es gab mal so einen schönen uralten Song: "Melancholie im September". Die überkam mich, wenn die Schule nach den Großen Ferien wieder begann. Melancholisch ist man ja heute nicht mehr, vielmehr hat man heutzutage Depressionen oder das Burn-out-Syndrom.

Mich überfällt aber hier im September keinerlei Melancholoie oder eine Depression! Auch, wenn es plötzlich Nebeltage gibt, weil endlich die Tagestemperaturen auf humane Grade absinken, das Meer aber noch sehr warm ist. Dann sind diese unheimlichen dumpfen Nebelhörner der vor Gibraltar in der Warteschlange stehenden Schiffe zu hören.  Auch, wenn es morgens um halb acht Uhr noch dunkel ist. Ich habe da keinerlei Melancholie, allerdings vielleicht etwas fehlenden Morgenschwung zum Aufstehen und Tiere füttern.

 

Aber zum Glück ist dieser Sommer vorbei! Endlich finde ich wieder einen Parkplatz direkt vor der Post oder Mercadona, ohne lange Schleifen drehen zu müssen. In Urbanisationen können die wenigen Besucher  frühmorgens nun nackt im Swimmingpool baden. Die Kellner in den Restaurants werden wieder freundlicher, die Portionen wieder größer, die Autobahngebühren wieder niedriger.

Ich muss nicht mehr jeden Tag den Garten gießen, die Waldbrandgefahr sinkt. "Can´t wait for autumn - been a long hot summer!", seufzt auch meine englische Freundin.  Und wenn erst der ganz große Regen kommt, dann führe ich einen Regenschirmtanz auf, dann blüht und sprießt hier wieder alles fast von einem Tag auf den anderen. Dann kommt "la segunda primavera", wie unser Gärtner zum otoño sagt, der Herbst, der ein zweiter Frühling ist.

 

 


07.09.2015

Sportbegeisterte Küste

 Nein, wir sind nicht nur Galas und Beachpartys, Pop-Festivals und Discoqueens, und nicht auch nur Costa del Golf! Nein, wir stehen begeistert am Straßenrand und auf Fußgängerbrücken, dicht an dicht gedrängt mit unseren Foto-Handys, die wir weg stecken, um dem Pulk der Radrennfahrer der Vuelta de España herzlich und ausgiebig zu applaudieren. Sie anzufeuern, bei den zum Teil steilen Berganstiegen, mit denen unser Andalusien aufwarten kann, das ja nicht nur Strand zu bieten hat. Dieses Mal führte die Spanienrundfahrt, das wichtigste Radsportereignis gleich nach der Tour de France, durch einen Großteil von Andalusien, unsere Küsten mit Hinterland bis Madrid. Es gab bei so viel Licht auch Schatten: Massenstürze bei Alhaurin und wieder auf der achten Etappe mit einem ernsthaft verletzten belgischen Rennfahrer.


Dagegen geriet aber das große 44. internationale Poloturnier von Sotogrande direkt etwas in den Hintergrund, auch wenn es Pferdefreunde aus allen Teilen mit wie immer auch gesellschaftlicher Prominenz vereinte. Denn schließlich findet es jedes Jahr in der letzten Augustwoche statt und ist nicht unbedingt jedermanns Sache als elitärer Sport im Gegensatz zum Radfahren, das wir alle selber können.


Das Schöne an der Vuelta, die so hautnah durch unsere Ortschaften führte, war nicht nur, dass dieses Highlight gratis war, sondern dass es so einträchtig alle Bevölkerungsschichten hier bei uns vereinte, dass hier Spanier neben Tourist, Einheimischer neben Resident stand und man ins Gespräch kam bei der mindestens einstündigen Wartezeit auf die dann sehr schnell vorbei huschenden Profisportler.